[9] Möglichkeiten

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Nach dem ich mich richtig ausgeschlafen hatte und in meinem Bett aufwachte, war ich mir sicher, dass der Traum nun vorbei war. Aber ich musste es einfach probieren.
Ich ging nach draußen in eine sichtgeschützte von Bäumen umringte Ecke unseres Gartens.
Meine Schulter nervte mich unglaublich, also versuchte ich sie, absurder Weise, zu heilen.
Wie vermutet gelang es mir nicht. Etwas niedergeschlagen saß ich auf einem Baumstamm, als mir die Idee kam. Vielleicht sollte ich es zu erst mit etwas kleinerem versuchen?
Ich brach eine Rose von unserem Strauch ab, zog einen Stachel ein paar Zentimeter über meinen Arm und es quoll Blut hervor. Hätte mich irgendjemand so gesehen wäre das vermutlich ziemlich falsch rübergekommen.
Ich konzentrierte mich aber nun auf die blutende Stelle und versuchte mit meiner Willenskraft die Zellen meiner Haut dazu zu bringen die Wunde zu verschließen. Die Stelle wurde tatsächlich heiß, was vermutlich nur Einbildung war, und der Schweiß stand mir auf der Stirn.
Seufzend lehnte ich mich an einen Baumstamm und schaute hinauf in die Baumkronen. Die ersten Blätter färbten sich schon rötlich und endlich konnte ich ungestört nachdenken.
Was dachte ich mir denn? Beziehungsweise warum erwog ich die Möglichkeit, dass es doch kein Traum gewesen sein könnte? Natürlich war es ein Traum. Len war mir viel zu sympathisch, als dass es die Realität hätte sein können.
Plötzlich fiel mir ein, dass ich mich gar nicht über die Hausaufgaben, geschweige denn den verpassten Unterricht informiert hatte. Leise fluchend stand ich auf und machte mich auf den Weg nach drinnen.

Nach diversen langweiligen Englisch und Mathehausaufgaben entschloss ich mich doch noch einmal dazu einen Test auszuführen.
Ich ging wieder nach Draußen, aber diesmal war mir unser Garten zu riskant, denn ich wollte meine Mutter lieber nicht damit konfrontieren, dass ihre Tochter ein Freak ist, die denkt, dass sie sich in Tiere verwandeln kann und darin Nachhilfeunterricht von ihrem Lehrer bekommt.
Ich entschloss mich mit dem Fahrrad irgendwo zu einem abgelegenen Fleckchen zu fahren um dort meine Ruhe zu haben.
Wir wohnten am Stadtrand, weswegen es nicht schwer war solch ein Fleckchen zu finden.
Ich entschied mich für ein Waldstück in dem ich früher schon ein paar mal gewesen bin.
Ich suchte mir einen passenden Baum und kletterte hinauf. Die Äste waren groß genug, dass ich drauf sitzen konnte.
Ich hing meinen Rucksack an einen nahegelegenen Zweig und machte es mir bequem.
Es war kühl, aber man brauchte noch keine Winterjacke. Ich mochte den Herbst schon immer, ich meine, es ist noch nicht zu kalt, aber auch nicht mehr zu warm. Perfekt also. Außerdem überwältigte mich jedes Jahr die Fülle an unterschiedlichen Farben in den Baumkronen.
Verträumt gab ich mich der Vorstellung hin, wie es wäre wirklich Superkräfte oder sowas zu haben. Ich müsste zum Beispiel nie wieder mit dem Bus zur Schule fahren, wenn ich als Falke hinfliege! Oder ich könnte jede Süßigkeit der Welt haben, wenn ich sie mir als Maus stehle. Oder ich könnte mich als Elefant auf alle draufsetzen, die mich nerven.
Letzteres verschwand allerdings schnell wieder von der Liste.

Während ich weitergrübelte merkte ich nicht, wie ich langsam einschlief...

Das, was man nicht Magie nennt - AnimalicedLies diese Geschichte KOSTENLOS!