DREI.

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Ganz sicher ihr Freund. Ein bitterer Geschmack sammelte sich in meinem ausgetrockneten Mund an und ich zog die Mundwinkel ein. So eine wie dieses kleine Bambi hatte wahrscheinlich nicht nur einen Freund, der sie auf Händen durch ihre wunderbaren, rosarote Zuckerwelt trug - nein, sie hatte bestimmt auch sonst noch dreitausend Verehrer, die ihr alle Rosen und Schokolade schickten, um um sie zu kämpfen und ihr kleines flatterndes Herz zu gewinnen.

Ich rümpfte die Nase.

Da lebte ich lieber auf der Straße und hatte eine Art Exfreund, dessen Spielzeug ich immer noch war, und der mich manchmal gern erschießen oder erwürgen wollte.

Ne man, Blingbling und Röschen ist nichts für mich.

Eine kleine Hand legte sich plötzlich um meine und ich wachte aus meinen dunklen Gedanken auf, die sich immer noch um die Kohle drehten, die Farid und ich besorgen mussten.

Ich sah hinunter auf meinen Schoß und Bambis Finger hatten sich mit meinen verschränkt.

Obwohl es mich doch ein wenig anwiderte, war ich nicht in der Lage, meine Hand wegzuziehen.

Ich starrte auf unsere Hände hinunter. Unterschiedlicher hätten sie nicht sein können.

Ihre Finger waren wohlgeformt, sie waren genau perfekt, und die helltürkisfarbenen Fingernägel waren perfekt gefeilt.

Meine Hand hingegen war abgemagert, dreckig und alles andere als schön.

Es war die Hand eines Straßenkindes, das nur alle paar Tage duschen konnte, wenn es in ein Sportheim oder in eine Schulturnhalle einbrach. Ein Straßenkind, das sich glücklich schätzen konnte, wenn sein Magen nicht mehr schmerzhaft grummelte.

Bambis Haut war zart gebräunt und meine war unnatürlich weiß. - Klar, ich kam so gut wie nie an die Sonne. Tagsüber befanden sich Straßenkinder in ihren Löchern und kamen erst nachts heraus.

Wie Vampire.

Oder Zombies.

....Untote.

Wow, ich hatte heute ja mal wieder eine Laune drauf, dass man vor lauter Begeisterung Luftsprünge machen konnte.

Ich drehte den Kopf ein wenig und musterte wieder das Gesicht von Disney-Prinzessin, deren Kopf leicht auf meiner Schulter hin und her schaukelte, wenn die U-Bahn etwas holprig fuhr.

Sie war so schön, dass es beinahe schon wehtat, sie anzuschauen.

Wie hatte es so weit kommen können, dass sie alleine in diesem Club geendet war? Ich hatte niemanden gesehen, der sich um sie geschert hatte oder der sie gesucht hatte.

Schockiert riss ich plötzlich die Augen auf, als mich der Gedanke einer Möglichkeit durchfuhr.

War sie vor ihrem Freund, diesem Milo, geflüchtet? Hatte sie sich vor ihm versteckt und war dann blöderweise direkt in Rockys tätowierte, gefährliche Arme gelaufen?

Ich war wirklich froh, dass ich sie gerettet hatte. Sie hatte das nicht verdient. Rocky hätte ihr unzählige blaue Flecken auf ihrem wunderschönen perfekten Körper hinterlassen. Als ich daran zurückdachte, wie er ihr schwarzes Kleid ihre Oberschenkel nach oben geschoben hatte und seine Hand sich schon unter dem Saum verschwunden gewesen war, zog sich mein Magen schmerzhaft zusammen und ich musste dem Drang wiederstehen, mich zu übergeben.

Ich hatte schon oft zugeschaut, wenn Rocky mit einem Mädchen zugange gewesen war - ich war ja auch schon oft genug selber das Mädchen gewesen - aber diesmal hatte es mich getroffen. Tief in meiner Seele. Das war das erste Mal, dass ich wirklich etwas gefühlt hatte, wenn es mal nicht um Jamie ging.

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