PROLOG.

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Du weißt gar nicht, wie gut du es hast.

Du weißt gar nicht das zu schätzen, was du hast.

Du hast ein warmes Bett, in dem du jede Nacht schläfst.

Du hast Essen, so viel Essen, dass euer Kühlschrank zu platzen droht.

Du hast einen geregelten Tag, du gehst in die Schule, die Uni oder die Arbeit und weißt, dass du nachts in Ruhe mit vollem Magen schlafen kannst.

Du hast ein Smartphone, keine schlimmen Krankheiten und keine Angst vor dem Tod.

Du hast ein Konto mit Geld drauf - wie viel oder wenig du auch immer hast - aber der Punkt ist: du hast es.

Du hast Menschen um dich herum, denen du blind vertrauen kannst und die dir nichts Böses wollen.

Scheiße man, du hast alles. Alles, was ein Mensch braucht.

Ich habe nichts davon.

Ich habe nicht einmal einen Ausweis. Offiziell existiere ich überhaupt nicht.

Ich lebe für den Moment, ich lebe jetzt, und ich habe keine Ahnung, ob ich morgen immer noch leben werde oder ob meine Leiche in irgendeinem Hinterhof vergammeln wird, ohne dass es jemanden kümmert.

Das Leben auf New Yorks Straßen ist hart. Unvorstellbar hart. Die wenigsten, nein eigentlich keiner von euch weiß, wie es uns hier geht. Jugendliche und Kinder, allein gelassen, verloren, emotional erstarrt und zerbrochen.

Wir sind die Ausgestoßenen der Gesellschaft. Der Abschaum, den niemand sehen will und den die Regierung ignoriert und totschweigt.

Wir sind aber trotzdem hier, und auch wir müssen leben. Von etwas leben. In etwas hausen.

Es ist bitter. Es ist so bitter, dass wir in diese Situation gerutscht sind, ohne dass wir etwas dafür können.

Das Schicksal ist ein mieses Schwein, aber das wusste ich jetzt schon länger.

Jamie und ich schlagen uns aber durch. Wir schaffen das.

Jamie ist mein Ein und Alles.

Er ist mein kleiner Bruder. Elf Jahre alt.

Glaubt mir, mir tut es jeden Tag aufs Neue in der Seele weh, dass seine Kinderaugen in die Welt hinausblicken und nur das Schlimme und Grausame zu sehen bekommen.

Er ist ein wahrer Engel, er hat viel Besseres verdient. Ich sage nicht von mir selber, dass ich zu etwas Besserem berufen bin, aber ich sage das von Jamie. Er ist ein Kind, verdammt nochmal!

Elf Jahre.

Seit zwei Jahren schlagen wir uns jetzt schon durch die Tiefen der Bronx. New York ist kein Zuckerschlecken, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Und die Bronx sind besonders schlimm.

Aber wenigstens haben wir es einigermaßen gut, auch wenn ich dafür täglich alles aufs Spiel setzen muss, was mir etwas bedeutet...


[P. S.: Bei meinen Büchern gibt es keine Autorenkommentare an den Kapitel-Enden. Wundert euch nicht darüber. Ich möchte einfach, dass meine Bücher wie „echte Bücher" sind, und da gibt es ja auch keine Autorenkommentare mitten im Buch. :)

Viel Spaß beim Lesen! <3]

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