Wie alles begann

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Ein russischer Fan hat vor kurzem diese Geschichte übersetzt und ein Leser seiner Übersetzung hat mir dieses schöne Bild gebastelt! Ich bin so dankbar und glücklich darüber!



Zumindest sind im Gryffindor-Team alle nur wegen ihres Talents drin!

Hermines eigene Worte hallten in ihrem Kopf nach. Was sie vor drei Jahren im Streit zu Draco Malfoy gesagt hatte, tat ihr rückblickend wirklich leid. Gewiss, dass er sie im Anschluss als Schlammblut bezeichnet hatte, konnte sie ihm nicht verzeihen, doch ihre Einschätzung seiner Quiddtich-Fähigkeiten war ebenso unfair gewesen. Er war gut. Sehr gut sogar.

Nur leider eben nicht so gut wie Harry.

Angewidert beobachtete Hermine, wie die Gryffindor-Fans um sie herum jede Gelegenheit nutzten, um sich über Malfoy lustig zu machen. Natürlich hatte er in einem Spiel gegen Gryffindor kaum eine Chance, den Schnatz zu fangen, doch das hatte nichts mit seinen Fähigkeiten zu tun. Warum mussten alle immer so überheblich sein, wenn es im Sport ging? Und vor allem die Schüler aus Gryffindor, dem Haus, das einen Löwen als Symbol hatte! Es fiel ihr schwer, schlecht über ihre Hauskameraden zu denken, doch die Genugtuung, mit der jeder noch so kleine Fehler von Slytherins auseinander genommen wurde, war einfach Übelkeit erregend. Und Harry beteiligte sich auch noch genüsslich daran, insbesondere Malfoy fertig zu machen.

Sah denn niemand, dass Malfoy von seinen eigenen Hauskameraden für jede Niederlage schon genug Verachtung bekam?

Endlich ertönte der Schlusspfiff von Madam Hooch. Harry hatte wie immer den Schnatz gefangen und die vielen Punkte, die zuvor von den Slytherin-Jägern erzielt worden waren, verloren jegliche Bedeutung. Mit ihrem Fernglas suchte Hermine nach Malfoy. Er saß auf seinem Besen, hoch über dem Stadion, und sah vollkommen besiegt aus. Unter ihm drehte das Gryffindor-Team einige Ehrenrunden um die Tribünen, sein eigenes Team hatte den Platz bereits verlassen. Er sah wütend aus, aber nicht auf andere, sondern auf sich selbst.

Seufzend richtete Hermine ihr Fernglas auf die Tribüne mit den Slytherin-Fans. Auch dort war inzwischen niemand mehr zu sehen, selbst Pansy Parkinson, die sich selbst als Malfoys größten Fan bezeichnete, war verschwunden.

Du hast wirklich tolle Freunde.

Unentschlossen ließ Hermine ihr Fernglas sinken. Draco Malfoy war der letzte, für den sie Mitleid empfinden sollte, doch sie konnte nichts dagegen tun. Es war, als würde jeder Schüler in Hogwarts stets nur darauf warten, dass ihm etwas misslang, damit alle ihn dann herzlich auslachen konnten. Gewiss, er trug mit seiner arroganten, überheblichen Art selbst genug dazu bei, aber genau das war es doch, was ihn so bewundernswert machte. Er hatte sich selbst absichtlich zum Aushängeschild der Slytherin-Mannschaft gemacht, er zog allen Jubel auf sich, wenn seine großspurigen Worte Wirklichkeit wurden, aber er ertrug auf den Hass und die Schadenfreude, wenn er und sein Team versagten. Er hatte sich noch nie aus dieser Verantwortung gezogen.

"Hermine, komm, wir wollen draußen vor den Kabinen auf die Spieler warten und ihnen gratulieren!", riss da Ginnys Stimme sie aus ihren Gedanken. Mit einem gequälten Lächeln wandte Hermine sich zu ihr um: "Geh ruhig schon mal vor, ich ... ich will noch einen Moment die Atmosphäre hier im Stadion genießen."

Skeptisch schaute ihre Freundin sie an: "Du bist doch sonst kein so großer Quidditch-Fan?"

Hermine zuckte mit den Schultern: "Wenn mein Haus gewinnt, kann selbst ich mich dem Jubel nicht entziehen. Wirklich, lauf schon mal vor, ich will noch hier bleiben."

Kurz noch starrte Ginny sie an, dann schüttelte sie den Kopf und lief fort. Dankbar blieb Hermine alleine zurück. Sie wünschte, sie könnte zu Malfoy gehen und ihm sagen, dass er heute gut gespielt hatte. Das hatte er nämlich. Er hatte den Schnatz vor Harry gesichtet, hatte sich mit ihm eine wilde Verfolgungsjagd geliefert und sich erst ganz zum Schluss dem überlegenen Talent beugen müssen. Es war knapp gewesen diesmal, so knapp wie noch nie zuvor. Harry hatte wirklich all sein Können gebraucht.

Für immer ihr Geheimnis - Teil 1: Wie Alles Begann ✔️Lies diese Geschichte KOSTENLOS!