23. gemähter Grashalm

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In der Schule ging ich weiterhin allen konstant aus dem Weg. Nachdem ich Jenna am Mittwoch alleine sitzen gelassen hatte, war das nicht mehr ganz so aufwendig, wie davor. Meine Freundinnen waren nun beide - zurecht - sauer auf mich und ignorierten mich. Jack hatte noch ein paar Mal versucht mit mir zu sprechen, ich hatte ihm jedoch einfach nicht geantwortet, also hatte auch er nach ein paar Mal aufgegeben.

Inzwischen war es Freitag und das Wochenende stand bevor. Ich freute mich schon sehr darauf, da ich es kaum erwarten konnte, endlich alleine sein zu können. Doch bevor ich mich Zuhause alleine in mein Zimmer einschließen konnte, musste ich noch diese eine Stunde Maori überstehen, in der Bennet auch anwesend sein würde. Seine stechend grünen Augen schienen sich jedes Mal wenn ich ihn sah in meinen Körper zu bohren. Ich versuchte dies immer so gut es ging zu ignorieren, doch Bennet hatte eine Engelsgeduld, wenn es darum ging, seinen Blick so lange nicht von mir zu wenden, bis ich ihn schließlich doch anschaute. Und wenn es nur ein böser Blick war, das schien ihn nicht abzuschrecken.

So spät wie möglich schlenderte ich in den Klassenraum, in dem nicht nur Bennet sondern auch Jack anwesend war. Geflissentlich ignorierte ich deren Blicke und auch die meiner anderen Klassenkameraden. Die meisten hatten mitbekommen, dass ich nicht einmal mehr mit Jenna und Sarah herumhing und soweit ich das mit bekommen hatte, war die Gerüchteküche wild am brodeln. Ein Wunder, dass noch nichts übergekocht war und mich noch niemand persönlich darauf angesprochen hatte. Stattdessen beschränkten meine Mitschüler sich darauf, mich schamlos anzustarren, sobald sie mich erblickten.

"Schau mal, sie traut sich ernsthaft noch, sich hier blicken zu lassen", hörte ich ein Mädchen ihrer Nebensitzerin zuflüstern. Ich ignorierte sie. Ich kannte längst nicht alle Gerüchte, die über mich im Umlauf waren, aber einige davon waren ziemlich krass. Um ehrlich zu sein, war mir das inzwischen ziemlich egal. Anfangs, nachdem ich aus sämtlichen Gemeinschaften ausgetreten war, in denen ich jemals gewesen war, hatte es schon weh getan, doch inzwischen juckte es mich relativ wenig, was andere über mich dachten. Wenigstens glaubte so niemand mehr, dass ich irgendwie ein guter Mensch wäre. denn das war ich definitiv nicht und ich hegte nicht die Absicht, in naher Zeit jemand das Gegenteil zu beweisen.

Stumm setzte ich mich auf meinen Platz in der ersten Reihe. Ich wusste, dass dieser Platz doof gewählt war, doch da ich immer so spät in den Klassenraum kam, waren die anderen Plätze meist schon besetzt. Der große Nachteil an diesem Platz war jedoch, dass alle anderen mir Löcher in den Rücken starren konnten, ohne, dass ich es merkte. Außerdem konnte ich nicht den Überblick behalten und das machte mich ziemlich nervös.

"Guten Morgen." Mr. Hanson rauschte ins Klassenzimmer und warf seine Tasche auf den Tisch direkt vor meinem. Erschrocken zuckte ich zusammen. Ich hasste es, wenn Menschen so lebendig waren und sich so viel bewegten. Dafür war ich in letzter Zeit einfach viel zu schreckhaft.

"Ich hoffe ihr hattet bisher alle einen schönen Tag und falls nicht, kann ich euch nun bestimmt mit ein wenig Auren lesen aufheitern." Mr. Hanson klatschte fröhlich in die Hände und sah sich im Klassenzimmer um. Wir hatten das schon eine Weile nicht mehr gemacht, da eigentlich jeder aus meinem Maorikurs inzwischen einmal "gelesen" worden war. Seit ich wusste, dass alle durch waren, hatte ich mich auch wieder in den Kurs getraut. Das gab dem ganzen nun aber einen völlig neuen Touch. Ich musste hier so schnell wie möglich wieder weg und hoffen, dass ich wenigstens diese Stunde verschont werden würde. Möglichst unauffällig versuchte ich mich kleiner zu machen, damit M. Hansons Blick vielleicht nicht sofort von mir angezogen wurde. Zu spät. Sein Blick fiel auf mich und er lächelte breit.

"Alia deine Aura war sehr erschreckend. Lass uns uns doch mal analysieren, ob sich etwas verändert hat seitdem wir sie das letzte Mal gelesen haben."

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!