Der wilde Veilchenbaum

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Plötzlich tauchte am Horizont etwas auf. Ein mittelgroßer Baum mit einer lilafarbenen Krone.

"Ist er das?", fragte ich skeptisch. Die Heilerin lächelte. Das war Antwort genug. Wir drei stürmten wie kleine Kinder auf den Baum zu und standen aufgeregt davor. Unsere Begleitung kam etwas später. Sie war nicht mehr die Jüngste, aber als sie uns erreichte, inspizierte sie den Baum noch einmal genauer.

"Ja. Nehmt fünf Blüten."

Gerne erledigten wir diese Aufgabe und überreichten ihr schließlich die violetten Lebensretter.

"Gut, gehen wir heim", sagte die Heilerin und verstaute die Blumen irgendwo in ihren Taschen. Nach zwei Stunden kamen endlich im Dorf an. Sofort besuchte ich Oliver. Als ich die Tür zu unserer Hütte öffnete, kam mir wie immer die schlechte Luft entgegen. Er schlief, doch sein Zustand hatte sich über den Tag verschlechtert. Sein Gesicht war noch weißer, seine Ringe unter den Augen noch dunkler, und der Biss an seinem Bein schien sich richtig fies entzunden zu haben.

"Schnell!", rief ich nervös. Oliver wachte auf uns atmete schwer.

"Wir sind zurück, Oliver", flüsterte ich. Er reagierte nicht.

Ich verließ die Hütte und lief zu Emily, Anton und der Heilerin. Sie mischten irgendein Gebräu in einer Metallschüssel zusammen. Nach ein paar Minuten, in denen ich nur panisch herumgelaufen war, schien die Heilerin fertig zu sein und überreichte uns den Behälter mit dem lila Gemisch.

"Hier. Ihr müsst ihm die Medizin auf Wunde ..." Ihr fiel das Wort nicht ein.

"Geben?", schlug Anton vor. Die Heilerin nickte.

"Die Mischung ist Gegengift. Los!"

Wir eilten zu Oliver und knieten uns neben ihn. Er schaute mich mit halbgeschlossenen Augen an.

"Das sind Blüten des wilden Veilchenbaumes, Oliver", teilte ich ihm mit.

"Wie soll ich das denn auftragen?", wendete ich mich an Emily. Sie übernahm meine Stellung und tunkte einen Zeigefinger in das klebrige Zeugs.

"Ohne deine Hände zu waschen?"

"Wo denn bitte?! Außerdem müssen wir uns beeilen! Hier gibt es leider Gottes kein Desinfektionsmittel."

Sie schmierte unserem verletzen Freund den Schleim auf die Wunde, und als er es spürte, zuckte er überrascht zusammen und sog zischend Luft ein.

"Tut mir leid", entschuldigte sich Emily. Als der Biss vollständig bedeckt war, atmete Oliver schwer und schien starke Schmerzen zu haben.

"Ich kenne mich zwar mit solchen Kräutern nicht aus, aber diese Anzeichen bedeuten, dass das Gift aus deinem Körper entgleitet. Das ist gut. Wenn ungefähr neunzig Prozent raus sind, sind deine Überlebenschancen wieder höher", erklärte Emily.

Nach zehn Minuten sah man das lilafarbene Gemisch immer weniger auf Olivers Bein. Es zog in die Haut ein. Ich hoffte, dass es helfen würde.

Etwas später ließen wir unseren Freund in Ruhe und hielten uns draußen auf. Es sollte ein Fest stattfinden. Als es anfing, tanzten Frauen und Kinder herum und bildeten einen Kreis. Sie lachten und bewegten sich zur Musik, die ein paar Männer mit selbstgemachten Trommeln und anderen seltsam aussehenden Instrumenten erzeugten. Wir wurden mit einbezogen. Ich glaube, dass war der erste Tag, an dem ich die Einheimischen dieses Dorfes glücklich sah. Es war ein schöner Moment und für eine Weile vergaß ich, dass gerade Krieg herrschte und ich Justin verloren hatte.

Als langsam alle schlafen gingen, kehrten auch wir drei in unsere Hütte zurück. Irgendwann in der Nacht hielt es Anton nicht mehr aus und trat aus der Hütte. Er kam nicht wieder. Vielleicht war es ihm einfach zu heiß geworden. Die kühle Nachtluft nutzen wir inzwischen, um unser kleines "Häuschen" gut durchzulüften.

Am Morgen saß Oliver mit ausgestreckten Beinen auf den Decken und sah wie neu geboren aus. Er hatte zwar noch immer ein sehr blasses Gesicht und er sah ziemlich müde aus, aber sonst schien es ihm wieder einigermaßen gut zu gehen.

"Ich hätte nicht gedacht, dass diese komischen Blüten helfen", gab er zu und grinste glücklich. Ich umarmte ich erleichtert und merkte, wie sehr ich ihn vermisst hätte, wenn er nicht mehr hier wäre.

Nach einer Woche ging er schon herum und half wieder ein bisschen mit bei den ganzen Arbeiten. Das Leben ging ganz "normal" weiter, doch nach cirka zwei Wochen kam eine äußerst schlechte Nachricht ...

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