Ich ging mit ihr runter in Richtung Strand, wo wir uns im Schatten einer Palme in den Sand setzten. Immer noch wimmernd schaute sie auf die strahlendblauen Wellen, die sanft am Strand leckten.
"Warum ist uns dieser Horror passiert?!" fragte sie mit erstickter Stimme. "Ich hätte mir niemals zu träumen gewagt, dass mich so ein grauenhaftes Schicksal plagt!" Ich schüttelte den Kopf. Wie konnte sie nur so perfekt in ihrer Rolle bleiben? Ich beschloss Klartext mit ihr zu reden, damit sie auch ja nicht auf falsche Gedanken kam.
"So, jetzt hör mal auf mit diesem Theater!" verlangte ich und bekam einen völlig entsetzten und gleichzeitig überraschten Blick zugeworfen. "Was?" fragte sie und ihre Lippe zitterte, während sie die Tränen aus den Augenwinkeln wischte.
"Du hast mich genau verstanden und jetzt schenke mir mal bitte deine Aufmerksamkeit!" Ich knackte mit den Fingerknöcheln, bevor ich fortfuhr: "Ich weiß genau, was hier abgeht! Aber glaube mir: Ich habe dich schon längst durchschaut!"
Brille bedachte mit mit schrägen Seitenblicken, und rückte von mir ab, als sei ich hier der Wahnsinnige.
"Ich möchte nur klarstellen, dass wenn noch einer meiner Schützlinge zu Schaden kommt, dann werde ich dich wohl beseitigen müssen!" Ich fuhr mit meinem Daumen waagerecht an meinem Hals entlang und machte ein kratzendes Geräusch. Die Augen des Mädchen weiteten sich. "Was? Was soll ich getan haben?" jammerte sie. "Du bist doch nicht ganz dicht!" Sie war zu entsetzt um zu weinen, obwohl ihr die Tränen regelrecht in die Augen schossen. Wo hatte sie nur so gut schauspielern gelernt?
"Du weißt genau was ich meine!" knurrte ich, erhob mich und streckte ihr die Hand hin. Verwirrt nahm sie sie an, schreckt aber zurück, als sie wieder auf den Füßen stand.
Ich führt die vermeindlich verwirrte und seelisch verletzte Brille zurück zum Lager, wo sie wie ein kleines Kind in Babaras Arme fiel und wieder begann zu schluchzen.
Ich wandte mich ab und verließ das Lager wieder um Fische aus unserem Netz zu holen. Mit einer Mörderin zu reden machte hungrig. Allerdings war es sehr viel friedlicher abgelaufen, als ich gedacht hatte. Ich hatte mir eher vorgestellt, dass sie mit einem Messer auf mich losgehen würde, damit ich über ihre Taten nichts erzählte. Aber sie war klug und blieb stattdessen in der Rolle.
Ein komisches Gefühl beschlich mich. Was war, wenn Kasten gar nicht die Mörderin war? Könnte es jemand anderes gewesen sein? Babara und Theodor kamen nicht in Frage. Auch John war viel zu nett. Die Zwillingsdame war verhindert und ... Und Madison? Ich schüttelte den Kopf. Madison konnte es nicht sein! Es war garantiert Brille!
Ich kam beim Fluss an und holte unser Netz ein. Schnell pflückte ich einige Fische heraus und warf sie aufs Trockene, dann ließ ich das Netz zurück ins Wasser gleiten.
Und was war, wenn es kein Mensch, sondern ein wildes Tier war? Aber ein solches Tier hätten wir bestimmt gehört. Oder zumindest die Schreie unserer Gefährten. Nein, so ein wildes Tier war auch ausgeschlossen. Brille war und blieb die Verdächtige!
Mit dem Arm voll Fisch kehrte ich ins Lager zurück. John hatte ein Feuer entfacht, als habe er gewusst, dass ich etwas Essbares mitbringen würde. Babara spielte mit Brille Uno, während ihr Mann im Schatten einer Würgefeige ein Nickerchen hielt.
Madison saß abseits von den anderen, halb bedeckt von Palmwedeln und las in dem Buch, dass sie aus der Nora mitgenommen hatte.
Was war so spannend daran?
Ich ließ die Fische bei John und kroch zu Madi unter die Palmwedel.
"Hey, du liest ja schon wieder in diesem Buch", begrüßte ich sie. Sie nickte ohne mich nur eines Blickes zu würdigen. Was war denn so interessant daran?
"Und um was geht es?" hakte ich nach. Sie blickte auf. Ihre Augen waren rund und glänzten. "Um die Insel!" hauchte die und öffnete das Buch soweit auf ihren Schoß, dass ich mit in die Seiten schauen konnte.

Madison deutete auf eine Bemerkung am oberen Rand.
"Juli 1952. Olaf-Klaus-Günter-Herbert", las ich und schautr Madison fragend an. Was wollte sie mir mit diesem Datum und dem Namen sagen?
"Wow, was für ein schräger Name", scherzte ich und bekam von ihr an die Schulter geboxt.
"Dieser Mann, dem dieses Buch gehörte war ein Forscher der Big Nora!" erklärte sie. "Er war mit zehn Männern, die alle etwa in seinem Alter waren, als 28 Jahre alt in die neue Welt gefahren um Flora und Fauna zu erkunden."
Sie zeigte auf den Einband des Buches. Es war ein ganz normales Lexikon, lediglich etwas älter als die, die ich kannte. "Und das sagt dir dieses alte Lexikon?" fragte ich erstaunt, doch Madi schüttelte den Kopf.
"Ich habe Olafs Notizen darin gefunden." Sie blättert durch das Buch und stoppte, als sie das Blatt fand, dass in das Buch geklebt war. Es war ein schräg Zeichung einer Insel mit einem Berg und Fischen, die wie Vögel über die Insel flogen. Dir Notizen an der Seite waren unleserlich, vermutlich ein Opfer der Seeluft und des rauen Wetters.
"Der gute Mann hatte wohl ziemlich viel Fantasie", meinte ich und deutete auf die fliegenen Fische. Madison zuckte mit den Achseln. "Vielleicht wusste er nicht, dass fliegende Fische nicht fliehen können. Ich würde jedoch zu gerne wissen, was er mit dieser Zeichung gemeint hatte." Sie blätterte weiter, bis sie erneut auf eine Notiz stieß. Diesmal zeigte die Zeichnung Fußspuren, die aussahen wie die eines T-Rexes. 'Fossilie Fußabdrücke?' stand als Überschrift auf dem Blatt. Interessiert schaute ich mir die Spuren näher an. Es war komisch, sie kamen mir gar nicht so alt vor.
"Hier hat er wohl Fosslien gefunden", meinte Madison und blätterte weiter zur nächsten Notiz. Diesmal war es nur ein Text.
"31. Juli. 1952; Komische Dinge gehen vor sich. Bist jetzt ist keine Rettung in Sicht und meine Truppe dreht durch. Wir haben gestern einen von ihnen tot im Gebüsch gefunden. Es sah aus, als wäre er erstochen worden. Unser leitender Forscher hat nicht mehr genug Kraft das Chaos fernzuhalten. Mein Freund und ich planen für die Zukunft. Diese Insel treibt uns auseinander!" las ich vor. Meine Stimme stockte. Vor 62 Jahren waren zehn Männer gestrandet und hatten das gleiche Schicksal erlitten wie wir? Auch einer von ihnen war zum Mörder geworden? Ich klappte das Buch zu und ließ Madison alleine, die mir verduzt hinterherstarrte. Auch Olaf-Klaus-Günter-Herbert war hier mit seinen Freunden oder Kollegen gestrandet und verendet! Ich schüttelte den Kopf. Nein, uns sollte njcbt das selbe Schicksal ereilen!
Wir mussten hier weg! Wir konnten nicht auf Rettung warten, die niemals eintreffen würde!
Ich brauchte einen Plan und zwar schnell!

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