[8] Flucht

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Ich hatte mich nun also wieder mit einigen Komplikationen vermenschlicht und saß mit Schulterschmerzen vor Len. Ich musste ja ausgerechnet auf die Seite fallen, die ich mir schon beim Unfall verletzt hatte.
>>Na toll, jetzt tut's noch mehr weh.<<, ärgerte ich mich.
Len schaute nachdenklich auf meine Schulter.
>>Im Grunde genommen könntest du es heilen.<<
>>Was?<<, fragte ich verwirrt.
>>Naja, ich meine du kannst die Zellen deines Körpers in eine beliebige Form bringen, dir Zähne und Fell wachsen lassen, warum also solltest du nicht auch eine Wunde heilen können?<<, spekulierte Len.
Ich fand den Gedanken gar nicht mal so übel.
Ich probierte es aus. Jedoch war alles was ich erreichen konnte, dass meine Schulter nun glühend heiß wurde.
>>Naja, vielleicht brauchst du einfach noch ein bisschen Übung.<<, munterte mich Len auf. Und vermutlich auch ein bisschen sich selber.
>>Ein bisschen Übung? So grauenvoll wie ich eben aussah brauche ich mehr als nur ein bisschen Übung!<<
>>Weißt du, es überrascht mich, dass du das einfach so hinnimmst. Also das ganze magische, wie naive Köpfe es gerne nennen.<<
>>Es ist doch bloß ein Traum, natürlich nehme ich es hin. Anscheinend habe ich durch was-auch-immer gelernt wie man luzid träumt und jetzt genieße ich, dass zumindest in meinen Träumen mal alles nach meinen Regeln läuft.<< Mit den Händen in die Hüften gestützt überlegte ich kurz. >>Obwohl ich nicht wirklich weiß, warum Sie in meinen Träumen vorkommen. Vermutlich bin ich traumatisiert durch den Unfall.<< Wow, anscheinend war ich in meinen Träumen auch witziger und mutiger.
Len schaute wenig beeindruckt drein, vermutlich weil er damals wusste, dass es nichts gebracht hätte mir zu sagen, dass das ganze kein Traum war.
>>So nun räumen wir hier mal ein bisschen auf.<<, befahl er.
Doch zu spät.
Wir hörten das Geräusch eines Schlüssels in der Tür.
>>Los! Los!<<, schreiflüsterte Len und zog mich Richtung Fenster. Er machte es auf und sagte mir ernst ins Ohr: >>Du schaffst das. Glaub daran.<<
Und dann schubste er mich aus dem 3. Stock unseres Schulgebäudes.

Ich war zu überrascht um zu schreien, von wegen alles läuft nach meinen Regeln, doch dann realisierte ich im Bruchteil einer Sekunde was er gemeint hatte. Ich sollte mich verwandeln, nein, ich musste. Ich schloss die Augen, sprach ein stummes Gebet aus und konzentrierte mich. Wäre ich nicht aus dem dritten Stock gefallen hätte ich vermutlich zu wenig Zeit gehabt, aber ich schaffte es grade noch so vor dem Boden mit riesigen schwarz-braun gefiederten Schwingen wieder in die Luft zu steigen, fiel dann aber sehr unelegant wieder runter. Allerdings hatte ich es schon bis zu einer Baumgruppe geschafft, wodurch mich die Äste auffingen und ich schlussendlich verheddert in einer Eiche hing.
Jetzt wo mein Adrenalinspiegel herunterfuhr wurde mir vor Erschöpfung schwummrig vor Augen.
Mit letzter Kraft schaffte ich es mich aus den Ästen zu befreien und auf den Boden zu segeln.
Ich weiß nicht was passiert wäre wenn Len nicht gekommen und mich versorgt hätte. Zum Glück hatte er mich auch schnell genug hinter ein paar Bäume gezogen, sodass einige zu spät kommende Schüler uns nicht entdeckten.
Sobald es mir besser ging verwandelte ich meine Arme mit aller letzter Kraft zurück. Ich musste mich bemühen nicht Ohnmächtig zu werden.
Schwer atmend fragte ich was das sollte und ob ich mich nicht einfach hinter der Tafel oder so hätte verstecken können.
Len seufzte nachdenklich und sagte dann, das mir das aber nichts gebracht hätte und, dass ich jetzt wüsste wo meine momentanen Grenzen liegen.
Ich hatte keine Lust auf Diskussionen und stand auf. Len rief noch etwas hinter mir her, aber ich war zu fertig und ging einfach nach Hause.

Das, was man nicht Magie nennt - AnimalicedLies diese Geschichte KOSTENLOS!