Kapitel 32

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Es war wunderbar meinen flauschigen Pyjama wieder anzuziehen und den kuscheligen Stoff meiner Hose zwischen den Beinen zu spüren. Schnell schlüpfte ich unter die weiche Decke und ließ meinen Blick noch einmal durch den Raum schweifen. Das schwere, altmodische Kleid aus weit entfernten Dimensionen lag noch immer achtlos auf dem Boden und war nicht wie sonst durch Magie weggeräumt worden.
Auf meinem Nachttisch lag mein Handy. Ich nahm es, doch der Akku war leer. Ich würde wohl erst morgen meine Nachrichten lesen können. Schnell schloss ich es ans Ladegerät, bevor ich mich in die so vertraut riechenden Kissen sinken ließ und einschlief.

Früh wachte ich mit einem seltsamen Gefühl im Bauch auf. Es war, als würde etwas fehlen. Als ich meine Augen aufschlug umfing mich das Weiß der Tücher um mein Bett. Ruckartig setzte ich mich auf, mein Kopf brauchte ein wenig, um sich die Ereignisse des vergangenen Tages wieder in Erinnerung zu rufen. Nicht etwas, sonder jemand fehlte. Ich war allein und ich war zu Hause - zwar nicht in England, aber da, wo meine Familie war, da, wo ich hingehörte.
Ich schwang die Beine über den Rand des Bettes, stand auf und lief zu dem Kleid, das gerade auf dem Boden knitterte und legte es sorgsam über einen Stuhl. Der relativ harte Stoff des Mieders fühlte sich so gewohnt, ja fast schon normal an. Es war seltsam es nicht anzulegen. Stattdessen holte ich eine verwaschene Jeans mit einem hellblauen Pullover aus meinem Schrank.

Duschen waren eine so praktische Erfindung! Während es genauso effektiv war wie ein Bad, dauerte es nicht mal halb so lang. Mit Zufriedenheit stellte ich fest, dass niemand an mein Duschgel gegangen war und hüllte mich in seinen frischen Vanillieduft.
In weiche Handtücher gewickelt kam ich aus der Dusche - das Badezimmer war in ein Dampfbad verwandelt worden. Schnell zog ich mich an, die Schminke ließ ich abermals weg. Mittels Magie trocknete ich meine Haare und sorgte dafür, dass sie knotenfrei waren, bevor ich sie zu einem hohen Zopf band.

"Guten Morgen." grüßte ich Mom, die ich, pünktlich zum Früstück, vor dem Speisesaal traf. "Meine Avelle!" überschwänglich drückte sie mir einen Kuss auf die Wange. "Du bist noch hübscher geworden in all der Zeit, weißt du das? Und deine Haare! Wie konnten die so schnell so lang werden?" zärtlich fuhr sie mir über den Kopf, bevor sie sich wieder fing und mich mit diesem mütterlichen Blick begutachtete. "Magie ist wohl die beste Haarkur." meinte ich halb im Scherz und betrat lächelnd den Raum.
"Morgen." Alle waren schon da und ein wohlig warmes Gefühl machte sich in mir breit als ich mich auf meinen gewohnten Platz setzte. "Dann können wir ja jetzt anfangen." Mürrisch began Großmutter ihren Teller zu füllen. Nichts hatte sich geändert.

Ich ließ meinen Blick über den gut gefüllten Tisch streifen - auch wenn er nur halb so vielseitig bestückt war, wie der Ezras.
Kurz schloss ich meine Augen; warum bloß musste ich anfangen Vergleiche zwischen beidem zu ziehen?

Alle hatten schon begonnen, als ich meine Wahl endlich getroffen hatte. Ein wenig Magie reichte aus und ich nahm mir Quark und die selbstgemachte Orangenmarmelade meiner Mum und bestrich mein Brot. Erst als ich den ersten Bissen nehmen wollte fielen mir die weit aufgerissenen Augen meiner Familie auf, die mich alle fast schon unverschämt intensiv anstarrten. Ich ließ meine Hand mit der unberührten Scheibe Brot wieder sinken. "Was ist los?"
"Was war das?" fragte mein Vater, er klang beunruhigt.
"Was war was?" ich hatte nicht die geringste Ahnung, was er meinte.
"Deine Augen; sie waren blau." formulierte Ivana, was Dad nicht auszudrücken vermochte.
Der Groschen fiel und es war, als würde das Scheppern noch in meinen Ohren klingeln. Ich hatte ganz natürlich Magie angewandt. Sie hatten keine Ahnung, dass ich eine Magierin war.

Bedächtig legte ich mein Brot auf den Teller, mein Appetit war verflogen. Ich holte noch einmal tief Luft. " Ach, das! Das war ... Magie." Jetzt war es heraus. Doch anstatt sich aufzuklären wurden die Blicke nur noch verwirrter.
"Wie ist das möglich?"
"Ich bin eine Magierin."
"Seit wann?" Mom's Stimme klang schwach.
"Seit ... seit schon immer, glaube ich. Aber ich weiß es erst seit kurzem." Damit war das Frühstück beendet. Keiner hatte mehr Hunger und bevor ich mit Fragen konfrontiert werden konnte floh ich hinauf in mein Zimmer.

L'Histoire d'AvelleLies diese Geschichte KOSTENLOS!