Prolog: Unerwartete Feinde

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„Das kommt jetzt etwas überraschend."


Jondu starrte auf die Karte und verzweifelte. Er musste sich beherrschen, um nicht lauthals zu fluchen oder mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Er war der Hauptmann der Königlichen Wache, es war undenkbar, dass er irgendetwas anderes als mutige Entschlossenheit und Zuversicht zeigte. Auch wenn die Katastrophe direkt vor ihm stand.

„Und wir sind sicher, dass die Informationen und Zahlen stimmen?", fragte Ilkzeru Amenjo leise. Er rieb sich die Schläfen und hatte die Augen geschlossen.

Jondu hatte seinen Herrn noch nie so mutlos gesehen. Ilkzeru war ein fröhlicher König, der gerne lachte und Scherze machte. Er kam mit jedem aus, hatte nie jemanden beleidigt oder einem anderen etwas weggenommen. Dass ihm jetzt jemand so etwas antat, das hätte sich Jondu nicht in seinen schlimmsten Träumen vorstellen können.

„Ja, Majestät, leider sind wir das", sagte Trimerk grimmig. Der junge Mann fungierte normalerweise als Botschafter, doch ein spontaner Ausflug ins Burlunder Tal hatte ihm unerwartet die Rolle als Meisterspion eingebracht. Dass es ihm gelungen war, von dort unentdeckt zu fliehen und seine Informationen zu König Ilkzeru zu bringen, ohne dass man ihm seine Erschütterung angesehen und ihn aufgehalten hatte, das war eine Meisterleistung, die Jondu ihm nie zugetraut hätte.

Trimerk war nun der Einzige außer ihm selbst, der Entschlossenheit zeigte. Aber andererseits hatte er ja auch drei Tage gehabt, um über seinen Schock hinwegzukommen.

„Wann werden sie angreifen?", fragte Jondu und wunderte sich selbst, wie ruhig seine Stimme klang.

„Nach den Offizieren, die ich belauscht habe, werden sie in einer Woche abmarschbereit sein. Somit erreichen sie in zwölf Tagen amenjischen Boden", erklärte der Botschafter.

„Dann bleiben uns also noch knapp zehn Tage, sofern sie nicht Transportzauber haben, um Vorbereitungen zu treffen und unsere eigene Armee in Richtung Grenze zu schicken."

Sein Herr öffnete die Augen und sah ihn scharf an. „Welche Armee, Jondu?", wollte er wissen. „Meinst du etwa die Soldaten der Königliche Wache und der Stadtwache? Oder die Grenzposten, welche entlang der Handelsrouten patrouillieren, um sie für den unwahrscheinlichen Fall eines Überfalls abzusichern und Schmuggler abzuschrecken? Meinst du die etwa?"

Zugegeben, wenn man es so sah, hörte sich ihre Lage aussichtslos an. In Amenjo hatte es seit über hundert Jahren keinen Krieg mehr gegeben und Handelsbündnisse und Eheverträge mit den benachbarten Königshäusern hätten auch in Zukunft jede kriegerische Auseinandersetzung verhindern sollen. Sie waren selbstzufrieden geworden. Und nun würden sie den Preis dafür bezahlen.

„Ja, Majestät", antwortete Jondu dennoch ruhig. „Auch wenn keiner der Männer und Frauen Kriegserfahrung hat, so hat doch jeder und jede von ihnen eine solide Kampfausbildung genossen, um sich selbst und Personen in Not retten und vor Angriffen verteidigen zu können."

Er sah erneut auf die Karte und fluchte stumm, als er die Zahlen überschlug und sie gegen die Anzahl ihrer Feinde setzte.

„Was haben wir? Dreitausend Soldaten gegen zwanzigtausend auf der anderen Seite?", sprach Ilkzeru seine Gedanken laut aus. „Sie werden uns überrennen!"

„Wir heben neue Rekruten aus und unterziehen diese in den nächsten zehn Tagen einem Intensivtraining", schlug Jondu vor.

„Und was ist mit der Ausrüstung für diese Rekruten? Waffen, Schilde, Zauber? Wir haben nicht genug Gold und Schätze, um eine Armee aufzustellen, die den Cimborern Einhalt gebieten könnte", wandte Trimerk ein.

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