Sieben - Ich bin Karma!

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Sieben – Ich bin Karma!

Indien.

Ein schönes Land. Aufregend, laut, voll.

Wie wäre es mit etwas Abwechslung? Abstand zum Vorangegangenen, um wieder einen klaren Verstand zu bekommen? Das tut uns bestimmt allen ganz gut.

Was habe ich über Indien erzählt?

Ähm, ja. Die Menschen hier haben eine super Einstellung und außerdem sind sie in einem ganz anderen Kulturkreis unterwegs als gewisse Superheldinnen.

Es ist warm, es ist laut, es riecht nach Abgasen und Chicken Massala … na ja, nicht überall. Nur wenn man an einem direkt an der Straße liegenden Restaurant vorbeikommt, in dem gerade Chicken Massala zubereitet wird. Aber ich will euch in Stimmung bringen und auf das „Incredible India“-Erlebnis vorbereiten. So ein schönes Land …

Wenn euch hier etwas komisch vorkommt, zum Beispiel dass hier gelegentlich Kühe am Straßenrand rumliegen, Männer und Frauen auf Baustellen ihre alltäglichen Stoffkleider und ausgelatschte Flip Flops tragen oder sich keiner der tausenden von Rikscha- und Motorradfahrern an Verkehrsregeln zu halten scheint – das alles hat hier seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Ist halt so. Gewöhnt euch für diesen Abschnitt dran.

Ich will kein Wort zu eben hören. Wir reden einfach nicht drüber, okay? Gut.

Dann lasst uns mal schauen, was hier so passiert.

Zum Beispiel in Pune. Eine aufstrebende Stadt, die vor Unternehmergeist nur so sprüht. Denn viele internationale Unternehmen verlagern ihre Prozesse hierher – Outsourcing nennt ihr das so schön. Indische Tochterfirmen werden gegründet und ganze Bataillone an Praktikanten, Mitarbeitern und Vorstandsmitgliedern werden aus aller Welt hergeschickt, um sich ein Bild zu machen und um die schwierige Kommunikation zwischen den Kollegen zu fördern.

Die junge Frau, die gerade die staubige Straße herunterkommt, ist Isabell. Eine von den Praktikanten, die hier aus Deutschland gelandet ist. Sie will später mal was mit Büchern machen und arbeitet daher jetzt für ein halbes Jahr bei einer Tochterfirma eines großen Verlages.

Was gleich passiert, sehe ich oft. Diese Outsource-Unternehmen bereiten ihre Kandidaten einfach nicht richtig auf das Leben in Indien vor. Schaut hin!

Die Straße ist bestimmt einen Kilometer lang und von Häusern umsäumt. Niemand außer der Deutschen in halb indischen, halb europäischen Kleidern ist zu sehen. Und am anderen Ende der Straße werden zwei Hunde auf sie aufmerksam.

Es ist übrigens halb sechs morgens, die Sonne ist gerade erst aufgegangen. Isabell hat die Frühschicht, während ihre Mitbewohner noch ausschlafen können. Und es handelt sich um Straßenhunde. Die streunern schon die ganze Nacht durch das Viertel. Da sie nachts relativ allein auf den Straßen sind, meinen sie, dass es ihr Revier ist. Jeden Morgen müssen sich die eindringenden Menschen erst ihr Territorium wieder von ihnen zurückerobern.

Doch das weiß Isabell nicht. Sie geht weiter in Richtung Arbeit und überlegt, ob sie heute etwas Sinnvolles von ihren indischen Kollegen zu tun bekommt. Die Hunde nimmt sie durchaus wahr. Doch noch geht sie davon aus, dass sie an ihr vorbeilaufen wollen. Warum sollte sie auch nicht so naiv sein? Den einzigen Hinweis auf revierverteidigende Straßenhunde hat sie durch die vorgeschriebene Tollwut-Impfung durch ihren Arbeitgeber bekommen – und die hätte sie genauso gut wegen der Affen auf einem der geplanten Wochenend-Trips durch Indien bekommen können.

Die Hunde sind nur noch wenige Meter von ihr entfernt und jetzt wird ihr klar, dass sie direkt auf sie zusteuern. Sie reagiert wie die meisten ihrer Vorgänger. Sie erstarrt, ihr Blut weicht aus ihrem Kopf und das Herz pumpt es umso heftiger mit Adrenalin durch ihre Adern.

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