Alessandro Valdez

Es war bereits eine halbe Stunde her, seitdem ich Harry mit mir zu Onio geschleppt hatte, und noch immer diskutierten die Männer über das Mädchen, das beide über alles zu lieben schienen. Mir war bewusst, dass die Beziehung von Zoé und Harry in Gefahr stand, wenn weiterhin ihr Vater zwischen den beiden stand, was ich nicht geschehen lassen wollen würde. Ich hatte gesehen, wie Zoé den mir immer noch teilweise ziemlich fremden Briten angeschaut hatte, und auch wenn ich es mir noch nicht ganz eingestehen konnte, wusste ich, wie viel er meiner besten Freundin bedeutete. Zoé hatte es verdient, geliebt zu werden, und ich hoffte, dass ihr Vater ihr das nicht kaputt machen würde.

Eigentlich hätte das Café der Perez', in dem wir uns befanden, schon seit einigen Minuten geöffnet worden sein, doch Onio schien dies aufgrund von Harrys Anwesenheit komplett vergessen zu haben.

„Zoé verdient es nicht, ihr Herz gebrochen zu kriegen.", versuchte Onio zum wiederholten Male dem Briten zu erklären, woraufhin dieser verstehend nickte.

„Ich habe nicht vor, sie zu verletzen."

„Ich hatte auch nie vor, allein erziehender Vater zu werden, Señor Styles." Allein an Onios Stimme erkannte ich, dass er keine Lust mehr auf diese Unterhaltung hatte. Zoé hatte den rauen Unterton, der ihr immerzu auf der Zunge lag, sobald sie keine Lust mehr auf etwas hatte, wohl von ihrem Vater geerbt. „Manchmal passieren Dinge, die man nie erwartet hätte."

„Ich verspreche Ihnen, auf Ihre Tochter aufzupassen."

„Wie wollen Sie denn auf sie aufpassen - Sie können doch noch nicht einmal mehr Spanisch!"

„Onio, so gut wie jeder hier kann Englisch.", warf ich ein, woraufhin mir Harry einen dankenden Blick zuwarf.

Auch, wenn man es ihm auf den ersten Blick nicht wirklich ansah, war ich mir sicher, dass er ziemlich nervös war. Zwischen seinen Augenbrauen lag permanent eine kleine Falte und er spielte aufgeregt mit seinen Fingern in seinem Schoß. Ihm schien dieses Gespräch viel zu bedeuten - ihm war bewusst, dass seine und Zoés Beziehung in jegliche Richtung durch seine Worte beeinflusst werden könnte.

„Ich bin auch nur ein ganz normaler Mann, der weder in Geld schwimmt, ein besonderes Talent oder einen herausstechenden Job hat, also bleibt mir praktisch gar nichts anderes übrig, als Sie zu bitten, mir eine Chance zu geben."

„Vielleicht hätten Sie schon eher mit mir sprechen sollen, junger Mann."

„Ich hatte es für besser gehalten, noch etwas zu warten, damit Pilar und ich uns sicher sein konnten, dass unsere Beziehung wirklich etwas Ernstes ist."

Ich musste zugeben, dass ich beeindruckt war von der Art und Weise, wie Harry sich die Wörter zurechtlegte. Zwar kam es häufig vor, dass nichts als Müll seine Lippen verließ, doch sobald es ernst wurde, schien sich sein Gehirn in Funktion zu setzen. Für Onio war das jedoch anscheinend nicht so gut, seine Englischkenntnisse waren nicht ausreichend genug.

„Was hat er gesagt?", wendete Onio sich also mit hochgezogenen Augenbrauen an mich, während er mit seinem Zeigefinger auf Harry zeigte.

„Er wollte noch etwas abwarten, damit ihm und Zoé klar war, dass ihre Beziehung ernst ist."

„Ernst?!", fragte Onio erneut auf Spanisch nach und ich nickte zur Antwort.

Onio kniff kurz seine Augen zusammen, ehe er laut anfing zu lachen. „Ernst?! Wie alt sind Sie, Harry Styles?"

„20, Sir."

Die Haare raufend ließ ich mich auf einen Hocker hinter der Theke nieder, sodass ich die Diskussion der beiden Männer nur noch von weitem miterleben musste. Mir war schon im Vorhinein bewusst gewesen, dass Onio es Harry nicht leicht machen würde, aber er übertrieb dennoch deutlich mehr, als ich es erwartet hatte.

Mein Blick glitt über Harrys Erscheinungsbild und auch, wenn er nur aus Großbritannien kam und nicht aus Japan oder sonst wo, sah er irgendwie anders aus. Obwohl dies wahrscheinlich nicht an seiner Herkunft, sondern an seiner Persönlichkeit lag. Seine schwarze Jeans war unheimlich eng, sodass ich mir immer wieder die Frage stellte, wie er es schaffte sie an- und gar auszuziehen, auf seinen Boots, die er selbst im spanischen Hochsommer trug, klebten goldene Nieten und seine braunen Locken hingen mittlerweile bereits über seinen Schultern. Trotz seinen vielen Tattoos hatte er einen unglaublichen Charme an sich, mit denen er jedem weiblichen Wesen jeder erdenklichen Altersklasse den Kopf verdrehte, und ich war mir so gut wie sicher, dass dies an seinen Grübchen lag.

Schon immer hatte ich gewusst, dass Zoé sich jemand Besonderen aussuchen würde, doch niemals hätte ich an jemanden wie Harry gedacht. Und dennoch schienen die beiden für einander gemacht zu sein, was schon allein die Tatsache, dass sie perfekt unter seine Armbeuge passte, bewies.

Ich war so sehr in meinen Gedanken versunken, dass ich überhaupt nicht mitbekam, wie die Ladentür geöffnet wurde. Erst, als Onios und Harrys laustarke Diskussion abrupt abrach, wurde ich wieder wach und ließ meinen Blick irritiert durch das Café schweifen, bis ich plötzlich Zoé und Noemi entdeckte.

„Was ist hier los?!", fragte Zoé mit langsamer Stimme, während ihre Augen sich geschockt weiteten und ihr Gesichtsausdruck von überrascht zu fassungslos wechselte, als sie ihren Freund neben ihrem Vater stehend erblickte.

Von diesem Moment an wusste ich, dass unsere kleine Unterhaltung noch lange kein Ende finden würde.

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Es tut mir leid, dass das Kapitel so kurz ist, aber ich musste es einfach hier enden lassen ...

Harry plant momentan eine große Überraschung, auf die wir uns alle freuen dürfen hrhr #spoiler :D

Wie findet ihr das neue Cover? Und das neue Kapitel?

- H.x

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