Erwachen

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Zehn Minuten und drei Martinis später, sah Amarilya wider nach dem Paar. Warnend klopfte sie gegen Tür, bevor sie langsam eintrat. Manch einer würde sich wundern, wie oft Amarilya in ihrem eigenen Schloss an Türen, zu ihren eigenen Räumen anklopfen musste.

Amarilya trat ein und wollte am liebsten gleich wider eine Kehrtwendung machen und schleunigst verschwinden, doch das wäre wohl äußerst unangebracht.

Das Paar schien sie gar nicht zu beachten, also räuspertete Amarilya sich laut. Der Lykaner stand der Menschenfrau gegenüber, angespannt, wie die Sehne eines Bogens . Seine Sehnen an den Armen und Schläfen standen raus und seine Muskeln, waren bis zum Zerreißen verkrampft. Kein seltener Anblick in Amarilyas Schloss. Die Menschenfrau, die der Lykaner wutentbrannt versuchte niederzustarren, stand ihm aufrecht, mit verschränkten Armen vor der Brust und einen vor Wut, rot glühendem Gesicht gegenüber. Amarilya schmunzelte, hatte sie nicht ausdrücklich darum gebeten, dass er sich darum kümmern sollte, das sie liegenblieb?

Nie hörte ihr jemand zu, das brachte Amarilya immer in Rage. Doch die beiden bekamen davon nichts mit, sie waren viel zu vertieft in ihren Streit. Selbst als Amarilya laut mit ihrem Fuß auf den Boden stampfte, schenkten sie ihr keine Beachtung.

Das war's, Amarilyas Geduldsfaden riss. Mit dem kleinen Finger wirkte sie flink einen schwachen Zauber und auf einmal war es ganz ruhig im Raum. Kein Mucks kam mehr von den zweien, verwundert blickten sie sich um und sahen Amarilya an.

»So, ist doch gleich viel besser.

Da ich nun endlich eure Aufmerksamkeit habe, können wir gleich auf den Punkt kommen. Hatte ich dich nicht darum gebeten, deine Menschenfrau auf dem Tisch zu halten?«

Bei dem Wort Menschenfrau, zuckte die besagte Person zusammen und der Lykaner grunzte nur wütend auf.

Amarilya sprach unbeirrt weiter.

»Ja, ich entsinne mich das getan zu haben. Also erkläre mir mal, wieso sie jetzt auf den Beinen ist und sich mit dir streitet?«

Sie wartete, doch er antwortete nicht, sah sie einfach nur ungläubig an. Dann zeigte er auf seinen Mund, was sollte das denn jetzt bedeuten?

Dann begriff sie und lächelte entschuldigend.

»Ich vergaß. War wohl doch ein Martini zu viel.«

Mit einer wegwischenden Handbewegung löste sie den Bann wieder auf. Sofort wollte der Lykaner sie ankeifen, doch sie unterbrach ihn, indem Amarilya ihre Hand erhob und so tat, als wäre sie einer dieser abgebildeten Personen auf einem Stopp-Schild. Und siehe da, er blieb überrumpelt still. Praktisch, das musste sie sich merken.

»Spar dir deine Worte und beantworte lieber meine Frage, Lykaner.«

Sie ließ die Magie vorsichtshalber um sich wabern, um ihm zu zeigen, dass sie es ernst meinte.

Der Lykaner beruhigte sich und auch die Frau sah nun ruhiger aus.

»Ich habe versucht sie auf dem Tisch festzuhalten, aber sie war hektischen wie ein Huhn und mir dann in den Nacken gebissen. Diese Frau ist verrückt.«

Daraufhin schrie die Frau auf und wandt sich wieder dem Lykaner zu.

»Ich bin verrückt? Du bist wohl eher derjenige, der hier den Verstand verloren hat! Wer hat sich denn an mir gerieben, nachdem ich nur versucht habe mich aus deinen Klammergriff zu befreien? Und tu ja nicht so, als ob es dir nicht gefallen hätte, dein kleiner aufragender Freund sagt nämlich was ganz anderes.«

Daraufhin deutete sie demonstrativ, auf eine unübersehbare Ausbeulung in seiner Hose. Das war doch mal ein eindeutiges Indiz. Amarilya lächelte in Sich hinein, sie begann die hitzige Frau zu mögen.

»Außerdem hast du doch einen Mund. Wie wäre es, wenn du ihn mal für eine Erklärung der Lage genutzt hättest, statt wie ein Hinterweltler rum zu knurren?«

Und damit kippte die Atmosphäre komplett um. Mit einem lauten Knurren sprang der Lykaner auf die Frau zu.

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