Tag 4

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Ich öffnete die Augen. Im ersten Moment wusste ich nicht, wo ich war, doch dann fiel mir wieder alles ein. Ich setzte mich auf. Mein Bein kribbelte schmerzhaft, doch das war mir egal. Mir gegenüber stand Grell und grinste mich an. Vor Schreck brauchte ich einen Augenblick, bevor ich etwas sagen konnte. "Hallo." "Guten morgen, Darling." Antwortete er. Ich sah mich um. Ich lag in einem Schlafzimmer in einem großen Bett. "Wie bin ich hierhergekommen?" Wunderte ich mich, denn eben noch war ich auf einem Sofa. "Ronald hat dich hergetragen. Wie geht es uns heute, Dornröschen?" Er strahlte mich an, wobei ich seine spitzen Haifischzähne zu sehen bekam. Ronald hat mich hergetragen? Interessant. Aber... Dornröschen? Erst jetzt merkte ich, wie hell die Sonne schon durch die zugezogenen Vorhänge schien. Hektisch wollte ich aufstehen, doch mein reches Bein war nicht bereit und knickte ein. Grell war sofort da und fing mich auf. "Nicht so hastig, Darling. Es ist schon halb zehn. Aber keine Sorge, Ronald hat dich vom Unterricht befreit. Schließlich gab es gestern einen Unfall, Schätzchen." Meine Mutter wusste noch nichts vom Unfall, aber so wichtig war das jetzt nicht. Sie wird es noch früh genug erfahren. "Wo ist er jetzt?" Wollte ich wissen. "In der Schule. Mir hat er nur gesagt,  ich soll hier bei dir bleiben, damit du nicht irgendwie stirbst oder wegläufst oder so was. Wir haben jetzt viel Zeit zusammen, Darling!" Er lächelte und zupfte seinen Umhang zurecht. "Ich mache dir Tee." Gut gelaunt hüpfte er aus dem Zimmer. Oje. Grell kann doch nicht so gut Tee machen, oder? Jedenfalls kam das so im Anime. Da schepperte es auch schon in der Küche. "Bin gleich fertig, Darling! " schrie Grell. Jaja, lass dir Zeit. Wenig später kam Grell wieder breit grinsend durch die Tür geschneit. In der einen Hand balancierte er eine Tasse, die schon einen Sprung hatte, in der Anderen eine Teekanne mit blauen Blumen drauf. "So!" Stolz stellte er die Kanne auf dem Nachttisch ab und reichte mir die Tasse. "Probier mal, Darling!" Ich nahm die Tasse entgegen. Jedes Grell - fangirl würde mich jetzt killen. Als erstes verbrannte ich mir den Mund. Nach einigem Abkühlen trank ich den ersten Schluck, den ich am Liebsten wieder ausgespuckt hätte. "I- ist das mit Salz? " fragte ich. Salz, Tomate, Mayonnaise und Kartoffeln mit einer Spur von Pfefferminzschokolade und Hustenbonbons mit einem Hauch von eingeschlafenen Füßen,  genauso schmeckte die Brühe. Grell schüttelte den Kopf. "Nicht dass ich wüsste, es sei denn, ich hab was verwechselt." Abwartend lächelte er. Aus Höflichkeit nahm ich noch einen Schluck von dieser wunderbaren Gewürzbrühe. "Gar nicht mal so schlecht." Meinte ich dann. "Ja, wirklich? Das hat noch nie jemand gesagt!!" Grell war ganz aus dem Häuschen vor Freude über mein Lob, auch wenn es gelogen war. Ja, was ich gerade erlebte, war der Traum eines jeden Kuroshitsuji-fans, mit der Ausnahme, dass ich in drei Tagen sterben würde. Ich bekam wieder einen Kloß im Hals, als ich mir vorstellte, wie meine Familie weinend an meinem Grab stehen wird. Wie ich da liege, so bleich und tot... wie ich meine Eltern, mein Zuhause und meine Freunde nie wieder sehen werde. All die mir bekannten Orte, wo ich beinahe jeden Tag hingegangen bin, werde ich nie mehr wieder sehen. Meine Zukunftspläne konnte ich vergessen. Mein Vater hatte sich für mich gewünscht, dass ich Jura studiere, aber ganz egal, wie sehr es mir weh tat ihn enttäuschen zu müssen,  ich hatte kein Leben mehr. Nur noch drei Tage. Für mich gilt das hier und jetzt und ich wusste noch immer nicht, wie ich mich verabschieden sollte. Aber eines wusste ich. Nämlich, dass ich hier raus musste. Weg von dieser Wohnung und dem Shinigami. Ich wollte weg und das tun, was ich immer tun wollte. Ich habe immer gedacht, später könne ich all das tun, was ich schon immer wollte, wie zum Beispiel nach Japan reisen. Aber jetzt gibt es kein 'später' mehr, nur noch diese Tage, die ich nutzen musste, um mein Leben in Frieden beenden zu können.

Ich stand auf. "Wo willst du hin?" Fragte Grell. Ich belastete leicht mein Bein, dem es schon viel besser ging. "Ich will mich bewegen, ich bin viel zu lange gelegen. Außerdem muss ich mal aufs Klo." Das war natürlich gelogen. Ich würde es schaffen können, zu fliehen. Grell nickte. "Zweite Tür rechts." Ich ging raus, aufs Klo. Es war nur ein kleines Fenster, außerdem befand ich mich im fünften Stock. Verzweifelt sah ich nach unten. Sollte ich versuchen, unbemerkt an der Regenrinne runterzuklettern? Unten war niemand, da diese Seite des Gebäudes direkt an einen Wald angrenzte. Ich nahm mir das Handtuch, das am Waschbecken hing und schlang es um die Regenrinne, bevor ich meine Beine übers Fensterbrett schwang. Ja, ich bin verrückt, aber egal. Ich würde sowieso bald sterben. Also sollte ich noch so viel Spaß wie möglich haben! Ich unterdrückte meinen Schwindel und die Angst. Ohne nach unten zu sehen, begann ich, mithilfe des Handtuches hinabzuklettern. Es dauerte etwas, bis ich mit wunden Händen unten ankam. Was jetzt? Unter Leuten würde ich nicht sonderlich auffallen, da ich immer noch meine Sachen von gestern anhatte, die glücklicherweise nicht sehr zerknittert waren. Also rannte ich in die Stadt hinein. Heute wollte ich alle Orte wiedersehen, die für mich sonst alltäglich waren. Es waren nicht viele Menschen unterwegs. Ich lief so schnell ich konnte, erst mal in einen Laden rein.  Hier würde er mich bestimmt nicht suchen. Vielleicht kann ich mir eine Perücke kaufen, witzelte ich im Stillen. Ich wartete kurz, unsicher, wie ich vorgehen sollte. Draußen braute sich ein dunkler Wolkenvorhang zusammen, auch das noch. Besser, ich bleibe noch ein wenig. Um die Zeit hatte Ronald Schule aus. Er würde also erst mal auf dem Weg zur Wohnung sein. Entspannt schlenderte ich auf die Zeitschriften zu, wobei ich ausversehen an einem Ständer hängenblieb. Typisch für mich. Der Mann vor mir konnte ihn gerade noch abwehren, als er umkippte. "Entschuldigung!" Rief ich rasch und half dabei, seine Sachen einzusammeln, die ihm herabgefallen sind. Das ist so peinlich! Er drehte sich zu mir um und mir blieb beinahe das Herz stehen. Ronald! "Lisa?!" Fragte er verdattert. Blitzschnell drehte ich mich um und flitzte zum Ausgang. "H-hey, warte!!" Verdammt, warum muss er ausgerechnet heute nach der Schule einkaufen gehen?! Kommt mir das nur so vor, oder bin ich tatsächlich immer diejenige, die Pech hat? Und moment mal, warum renne ich denn so? Ich konnte doch sagen, Grell hätte mich zum Einkaufen geschickt. Doch dafür war es jetzt leider etwas zu spät. Ich rannte und rannte, bis ich mich irgendwann erschöpft an eine Hauswand lehnte. Erst dann fiel mir auf, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich war. Und der erste Regentropfen fiel auf mich hinab. Super! Genauso hatte ich es mir vorgestellt. Dachte ich ironisch. Was für wunderbare Einfälle ich doch immer hatte. Und weiter, Miss Superschlau? "Hey, du!" Erschrocken drehte ich mich zu der Stimme um. Der Mann im Anzug erinnerte mich an jemanden. Er hatte schwarze, längere Haare und... rote Augen?! Nee, oder? Nicht so einer auch noch. "Es ist äußerst ungewöhnlich, dass eine Milady, wie Ihr es seid, weinend im Regen hockt." Erst jetzt bemerkte ich, dass mein Gesicht feucht war. Ich lachte frustriert. "Und du? Bist du auch so einer, der mich sammeln will?" Belustigt sah er mich an, war aber trotzdem höflich. " Nein. Ich meinerseits bin ein Feind von den Shinigamis. Ihr scheint ein Problem zu haben. Soll ich Euch nach Hause bringen, Milady?" Ich starrte ihn an. Einen Vertrag konnte der sich mal schön abschminken! Als hätte er meine Gedanken gelesen, grinste er breit. "Ich heiße Seb..." "Sebastian Michaelis. Danke, aber es ist alles okay." Ich stand auf und wollte gehen. "Oh, haben diese grünäugigen Monster etwa schon über mich erzählt?" Er lachte. "Keine Sorge. Ich hab schon einen Vertrag." Erstaunt drehte ich mich um. "Aber dann... warum?" "Weil mein Herr es mir befohlen hat." Antwortete er ernst und trat einen Schritt auf mich zu. Ich wich zurück. "Wer ist dein Herr?" Er konnte ja wohl kaum Ciel Phantomhive sein, der lebte doch schon lange nicht mehr. "Jemand, der dich sehr gern hat," grinste er. Was? Wer hatte mich bitteschön gern?! "Lisa! Geh sofort weg von ihm!" Ronald kam angerannt. Sebastian lächelte. "Wie es aussieht, bist du nicht allein mit dem Zettel. Einen schönen Tag noch. " Er drehte sich um und ging. Das 'mit dem Zettel' hat er mir nur leise zugeflüstert. Welcher Zettel? Ronald nahm mich mit zurück in die Wohnung. Ich wusste nicht, ob er wütend war, aber wenigstens ließ er mich jetzt alleine im Zimmer.

Ich wachte auf. Es war noch nicht morgen, aber irgendwie konnte ich nicht schlafen. Klar, man trifft sicher nur einmal im Leben einen Teufel höchstpersönlich. Aber was meinte er mit Zettel? Etwa der, der in Ronalds Uhr war? Ich trug die Uhr noch immer bei mir. Vorsichtig öffnete ich das Geheimfach und zog das Stück Papier heraus. Eine Nummer. Sah aus wie eine Handynummer. Ich zog mein Handy hervor und tippte sie ein, nur um zu sehen, ob ich es richtig vermutet habe. Und ja, ich rief gerade irgendwo an. Mein Puls steigerte sich vor Aufregung,  denn schließlich wusste ich nicht, wer am anderen Ende der Leitung auf mich warten würde. Es dauerte etwas, bis jemand dranging. "Hallo?" Meldete sich eine Stimme. "H-hallo, ich heiße Lisa." Antwortete ich dümmlich. Erst war es still, dann lachte er. "Achso, du bist die, die heute die Ehre hatte, meinen Butler kennenzulernen. Hallo, Lisa, ich bin Eric Slingby."

Der Name sagte mir nun leider gar nichts. "Ich bin ein guter Kumpel von Ronald, deswegen hatte er meine Nummer in der Uhr, die du bei dir hast." "Bist du auch ein Shinigami? " fragte ich nervös. "Ja, aber das spielt jetzt keine Rolle. Ich möchte dich um einen Gefallen bitten, im Gegenzug werde ich versuchen, dir zu helfen. Mein Butler holt dich morgen ab, alles weitere dann später. Machs gut!" Klick! Er hatte aufgelegt. Wer war das denn?

Hallo, meine Lieben Leserchen :D

Vielleicht ist es euch aufgefallen, dass ich die Geschichte gerade mit meiner Fanfiction "Black Butler - Another Tale" vermixe. Es hat eigentlich nichts mit der anderen Geschichte zu tun, mir ist nur kein besserer Name eingefallen :')
Seht also bitte keinen Zusammenhang mit meiner anderen Geschichte, denn es gibt keinen. Trotzdem kennen vielleicht manche von euch Eric schon :D

Danke fürs Lesen und viel Spaß noch weiterhin!
Grüßchen, eveyama ^-^

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