67 - Comeback.

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„Sollen wir dann erstmal rein? Du siehst nämlich alles andere als warm aus. Ist ja immerhin auch schon Dezember. Komm." Osmo nimmt meine Hand und rollt nach drinnen. „Wow, du hast es echt schön hier." Ich schaue mich erst einmal um, rechts führt eine Treppe ins Obergeschoss, dahinter eine in den Keller. Am Ende des Flurs ist eine helle, offenen Küche mit angrenzendem Essbereich zu erkennen, links daran schließt sich das Wohnzimmer an. Die Tür daneben führt in ein geräumiges Schlafzimmer. Auf der rechten Seite finde ich neben der Küche das Bad und eine Art Abstellkammer. Mittlerweile ist auch Emil auf meinem Arm wach geworden und verlangt nach Nahrungszufuhr. „Kriegst gleich was, Hasennase. Tante Elisanne muss sich jetzt erstmal zurechtfinden." „Das ist also der kleine Racker. Wirklich süß. Du wärst eine wirklich gute Mutter." Ich muss schlucken und im nächsten Moment nimmt mich Osmo in den Arm, soweit er das in seinem Rollstuhl kann. „Tut mir leid, Kleines." „Schon gut, ich finde es halt mehr als erschreckend seltsam, dass er sich von heute auf morgen an nichts erinnern kann." „Du kannst ja auch nichts dafür. Schiebst du mich mal eben in die Küche? Dann kann ich dir eben die Aufteilung erklären."

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Als ich wach werde, liegt Hanni friedlich schlummernd in meinen Armen. Ich stehe auf, stets darauf bedacht, sie nicht zu wecken. Mein Magen knurrt wie sonst was und mein Schädel vibriert bei jedem Schritt. Ich sollte nicht so viel Wein in mich rein schütten. Um von hier aus in die Küche zu kommen, muss ich erst durchs Wohnzimmer. Auf dem Sofa liegen eine sorgsam zusammengefaltete Bettdecke und ein Kissen. Auf dem Tisch daneben ein schmaler Diamantring. Moment mal, den Ring habe ich doch gestern noch ganz woanders gesehen. Da hat er noch Ellies schlanken Ringfinger geziert. Und warum soll sie bitte einen Verlobungsring ablegen, wenn sie gestern noch total glücklich gewesen ist? Mein Hirn meldet Blockade. Zu viel und zu schnelles Denken. Irgendwas muss gestern ja passiert sein, dass hier alles aus der Bahn läuft. Schnellen Schrittes haste ich in das Gästezimmer, dass für Jukka und Ellie ist. Jukka steht nur in Wollstrickhosen vor der Tasche auf dem Bett und stopft Klamotten hinein. „Was zum Henker hast du mit Ellie angestellt?" „Von wem redest du? Ich kenne keine Ellie. Und wo ist eigentlich Taru?" Seine Gleichgültigkeit entsetzt mich nur noch mehr. „Wer bist du und was hast du mit Jukka gemacht?" „Ich bin immer noch Jukka. Und ich hab echt nicht die leiseste Ahnung, warum du hier so einen Aufstand machst." „Du Idiot! Du mieser, dummer Idiot! Ellie ist verflixt nochmal deine Verlobte und der Verlobungsring liegt unten im Wohnzimmer auf dem Couchtisch. Weißt du, was das heißt?" Schweigen. „Sie ist weg. Dein Auto übrigens auch, falls es dich interessiert. Emil hat sie auch mitgenommen." „Wer ist Emil?" Langsam verstehe ich die Welt nicht mehr. „Du spinnst doch! Jukka, Mann, du hast nach dem Sommer so um sie gekämpft und jetzt schmeißt du alles hin? Ganz ehrlich, ich versteh dich nicht!" Nach einer kurzen Pause, in der keiner von uns ein Wort spricht, wird es mir zu bunt. „Du kommst jetzt mal schön mit nach unten." Am Handgelenk ziehe ich meinen älteren Bruder ins Wohnzimmer und präsentiere ihm, was noch von seiner Beziehung übrig ist: Das Bettzeug und der Ring.

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Ich sehe die Sachen, die dort liegen, messerscharf, aber ich spüre nichts dabei. Ich bin praktisch leer. Das Klingeln an der Tür erlöst mich aus dieser unangenehmen Stille und ich gehe, um zu öffnen. Als ich sehe, wer dort steht, klappt mir der Unterkiefer weg. „Taru?"

Finnian //Jukka Backlund [under editing]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!