TEIL 8

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Als er zurück kam, war ich fest dazu entschlossen, ihn anzusprechen. Nur wie? Ich stand eine ganze Weile auf meiner Seite des Heuhaufens und dachte nach, was ich sagen sollte. Wahrscheinlich habe ich zu laut gedacht... "Hey. Setz dich hin. Du machst mich ganz nervös.", kam es auf einmal von Daryl. Ich zuckte zusammen. Er konnte mich unmöglich gehört haben. Woher wusste er, dass ich nicht im Heu saß? Ich atmete tief durch und kam hinter dem Haufen hervor, auf seine Seite. Dort lag er, den Kopf auf seine Jacke gebettet und schaute an die Decke. "Du, Daryl?" Keine Reaktion. "Ich ähm... Könnte ich vielleicht morgen mit nach draußen? Ich hab nichts mehr zu essen." Er ignorierte mich weiterhin. "Daryl!", rief ich nun lauter. Endlich nahm er mich wahr. "Ist mir doch egal ob du rausgehst.", murmelte er. "Ich meinte... Mit dir.", sagte ich leise. Jetzt hob mein Mitbewohner die Augenbrauen. "Ich meine nur...weil...du scheinst zu wissen wo es noch etwas essbares gibt.", sagte ich schnell und deutete mit einem Nicken auf seine Vorräte, die neben ihm auf dem Boden verstreut lagen. Daryl zuckte mit den Schultern. "Von mir aus. Solange ich nicht deinen Babysitter spielen muss." Ich schnappte nach Luft, traute mich jedoch nicht, zu kontern.

Schließlich ging ich wieder zurück auf meine Seite und legte mich hin. "Gute Nacht.", kam es plötzlich von der anderen Seite. "Gute Nacht.", erwiderte ich.

Ich frag mich, wie man so schnell einschlafen kann. Daryl hat bereits 5 Minuten später, angefangen zu schnarchen. Dabei ist es noch nicht einmal ganz dunkel. Aber egal. Ich bin so froh, dass er nichts dagegen hat mich morgen mitzunehmen. Es könnte zwar sein, dass er nur geblöfft hat und morgen früh wieder allein loszieht, aber ich hoffe einfach, dass er es ernst gemeint hat. Und ja... Die Sache mit dem Babysitter regt mich noch immer auf. Wie alt denkt er, dass ich bin? 8? Oder hat er das nur gesagt, weil ich ein Mädchen bin?

14.6.2019

Entschuldigung, dass ich mich nicht eher gemeldet habe, aber Daryl und ich waren gestern den ganzen Tag unterwegs. Abends war ich viel zu müde, um zu schreiben und bin sofort eingeschlafen.

Daryl schläft noch, also hab ich endlich Zeit, dir zu erzählen, was gestern passiert ist.

Es hat damit angefangen, dass mich mein Mitbewohner bereits zum Morgengrauen geweckt hat. Ich hatte gerade einmal 10 Minuten um mich bereit zu machen. Pünktlich, 10 Minuten später, sind wir dann aufgebrochen. Daryl schien bereits hellwach. Er lief etwa 5 Meter vor mir und pfiff vor sich hin. Ich musste mich anstrengen, um überhaupt mit ihm Schritt halten zu können. Erstens war ich müde und zweitens waren seine Beine viel länger als meine. Wir folgten einen Trampelpfad durch den Wald, welcher sich rund um die Scheune erstreckte. Es war ein schöner Tag. Die Sonne ging gerade auf, keine Wolke war am Himmel und die Vögel zwitscherten von überall her. Wir bogen mehrere Male ab. Bereits nach dem zweiten Mal, hatte ich die Orientierung komplett verloren. "Wie weit ist es noch?", fragte ich Daryl, als ich ihn endlich eingeholt hatte. Er seufzte. "Nicht mehr weit. Noch 15 Minuten." Ich nickte. Eine ganze Weile liefen wir schweigend nebeneinander her. "Ach so. Ich sollte dich vielleicht vorwarnen. Das Dorf, in das wir gehen ist... Naja... Es ist bevölkert von den Beißern.", meinte Daryl auf einmal. Ich starrte ihm mit offenem Mund an. "Dein Ernst? Wie bist du da die letzten Male durchgekommen?" Er zuckte mit den Schultern. "Glück gehabt." Ich schluckte. Das belustigte ihn. "Hast du Angst?", fragte er grinsend. Ja. Ich hatte große Angst. Das würde ich jedoch niemals zugeben. Vor allem nicht ihm gegenüber. "Quatsch.", antwortete ich. Daryl begann leise zu lachen. Den Rest des Weges sagte niemand was.

DARYL DIXON-ANGEL WITH A CROSSBOW TEIL 1Lies diese Geschichte KOSTENLOS!