Kapitel 8

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Kapitel 8

Im Palast der Blachernen herrschte abendliche Ruhe. Der Wachwechsel war gerade erfolgt, als Anna mit ihrer Gruppe eintraf. Sie gingen hinauf zu ihren Gemächern. Dort hatte sich nichts Neues ereignet.

Eine neue Kammerfrau hatte sich vorgestellt, wollte am nächsten Morgen noch einmal wiederkommen. Der kaiserliche Hof hatte Genesungswünsche gesandt und ihre Mutter frische Blumen.

Der Angriff auf Anna hatte sich doch herumgesprochen. Wahrscheinlich hatte ihre Mutter es vom Kaiser erfahren und nicht für sich behalten können. Es hatten sich bis jetzt keine Hinweise auf eine Beteiligung von Personen aus dem Palast ergeben, wie Anna durch den Kommandeur der Palastwache offiziell mitgeteilt wurde.

Die Männer erfrischten sich, zogen sich um und traten ihre Wache bei Anna wieder an. Anna versorgte ihre Wunde selbst, wusch sich und kleidete sich in ein leichteres Hemd mit einer Wolldecke als Schutz gegen die abendliche Kälte.

Sie erkundigte sich bei Feldwebel Markianos wegen seiner Wunde. Diese hatte sich nicht entzündet und zu schmerzen aufgehört. Ab und zu zog es am Schnittrand, was zweifelsohne auf die eintretende Heilung zurückzuführen war. Der Feldwebel legte sich schlafen, ebenso einer der Unteroffiziere.

Leutnant Theodorokanos las in seinem Gebetbuch. Sie hatte sich gefreut, ihn nach der Rückkehr aus der Bibliothek zu sehen, das aber geschickt verborgen und es als allgemeine Besorgnis über den Gesundheitszustand der Truppe nach dem Überfall ausgegeben. Den Rückweg zum Palast hatte sie dann sehr genossen. Unteroffizier Sisinnios, der in Annas Gemächern verblieben war, schlief nun ebenfalls.

Johannes hatte in Annas Arbeits- und Wohnzimmer gewartet, bis sie fertig umgezogen war. Dann nutzte auch er ihr Badezimmer und erfrischte sich. Anna holte aus der kleinen Küche derweil ein leichtes Mahl aus Brot, Wein, Oliven, Käse und Wurst. Gemeinsam aßen sie schweigend, dachten über den vergangenen Tag und all die Philosophien nach. Johannes ergriff als erster das Wort.

„Wenn ich es richtig verstanden habe, suchte Lucia nach Gott. Dazu ist sie bis zur Frühzeit zurückgegangen. Vielleicht wird es konkreter, wenn es christlicher wird.“

„Vielleicht. Wir sollten die anderen Autoren studieren.“ Anna zündete noch einige Kerzen an. Dann setzten sie sich an ihren Schreibtisch, Anna nahm ein Buch aus ihrem großen Regal und gemeinsam begannen sie zu lesen.

Augustinus war im 4.Jh. n.Chr. Plotin und Platon gefolgt. Vom göttlichen Geist aus geht das Licht als „Einstrahlung“ in den menschlichen Geist. Dieses ewige Licht geht aus von dem vollkommenen Gott als Anfang aller Existenz.

Der Mensch kann diesen Anfang mithilfe seines Verstandes sichtbarmachen. Der Geist selbst ist immer lebendig, Gott ist ewiges Sein und zeitlos ohne Anfang und Ende.

Der Mensch sieht die Urbilder Gottes als Abbilder, die Ideen sind im Geist Gottes enthalten. Es gibt keine ewige Materie, es gibt nur ewigen Geist.

Anna Komnena und die Wächter des HimmelsLies diese Geschichte KOSTENLOS!