Retter in der Not

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Ich half meiner Mutter die Einkäufe reinzutragen und einzuräumen. Danach drehten wir das Radio voll auf und sangen und tanzten dabei durch Wohnzimmer und Küche. Das liebte ich so an meiner Mutter. Sie war meistens locker drauf und war für jeden Spaß zu haben. Aber manchmal nervte sie mich auch, weil sie sich so kindisch im einen Moment aber total streng im anderen benahm.
Nachdem die Möbel auch aufgebaut und an die richtige Stelle gerückt worden waren, ging ich erstmal hoch und duschte mich ab. Normalerweise war ich eher der Bade-Typ aber wenn ich mal keine Lust oder Zeit hatte ging Duschen einfach schneller. Ich ging zu meinem Kleiderschrank und schnappte mir Unterwäsche, eine Jogginghose und einen flauschigen Pulli. Erschöpft und müde ließ ich mich auf mein Bett fallen und öffnete den Laptop. Schlagartig war ich wieder hellwach. Eine neue Nachricht von Mister A.!
Mit zitterndem Finger klickte ich drauf:

Hey S.
Freut mich, dass dir mein Kommentar überhaupt aufgefallen ist!
Tut mir übrigens Leid, dass dich dein Umzug so traurig macht.
Es musst ja nicht heißen, dass du den Kontakt zu deinen alten Freunden verlierst. Sieh es positiv: Du bekommst nur noch mehr dazu!

Mister A.

Seine Worte hatten eine so beruhigende Wirkung auf mich. Gerade noch dachte ich, der Umzug wäre das Schlimmste was mir passieren konnte, so sah ich ihn jetzt nur noch halb so schlimm. Der Junge konnte echt gut beeinflussen! Schnell tippte ich eine Antwort:

Hey Mister A.
Natürlich ist mir dein Kommentar aufgefallen. Du glaubst gar nicht wie du mir hilfst mit deinen Antworten. Ich fühle mich echt verloren im Moment. Und das mit dem in Kontakt bleiben werde ich auf jeden Fall machen. Das mit dem neue Freunde finden wird schwieriger. 1. es sind Sommerferien und am besten geht sowas doch während der Schulzeit oder?
2. ich bin nicht sonderlich gut darin Freunde zu finden.

Danke für deine Tipps!

S.

Ich musste lächeln. Dieser Mister A. war echt mein Retter in der Not.

In den letzten Tagen hatte ich meine Pläne öfter rauszugehen komplett ignoriert, da ich dauernd mit Mister A. chattete. Unsere Gespräche wurden immer vertrauter und wir erzählten uns Dinge, die sonst nur unsere engsten Freunde wussten. Also eigentlich erzählte ich ihm größtenteils von meinen Problemen und er gab mir Ratschläge. Irgendwie wollte ich schon wissen wer hinter Mister A. steckte, aber dann wollte er bestimmt auch wissen wer ich war. Schon komisch: Ich hatte ihm so viele intime Dinge erzählt und wusste einiges über ihn, nur wer er wirklich war wusste ich nicht. „Das Internet macht alle zu Freunden." war ein Standard-Satz meiner Mutter, wenn sie mal wieder über Facebook ablästerte. Aber sie hatte recht. Würde ich wissen, wer er wirklich war und anders herum, hätte ich ihm das wahrscheinlich niemals erzählt. So fühlte man sich einfach sicherer.

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