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"Emily, du musst etwas essen", mein Dad stellte das Tablett auf die Ablage neben mir.

"Ich habe kein Apettit, dad", sagte ich und starrte aus dem Fenster. Sechs Tage hätte ich noch gehabt. Sechs Tage bis diese scheiß Chemotherapie angefangen hätte. Ich wollte doch nur diesen einen Monat!

Aber nachdem ich Samuel verlassen hatte, ging es mir jeden Tag schlechter. Ich übergab mich häufiger, die Kopfschmerzen waren nicht mehr auszuhalten und manchmal konnte ich mich überhaupt nicht mehr bewegen.

"Emily..", mein Vater streichelte mir über meine Haare, als es an der Tür klopfte.

"Herein", sagte mein Vater, da ihm klar war, dass ich das nicht tun würde. Ich wollte niemanden sehen. Die einzigen die ich zu mir durften waren mein Vater, Leonie und Tante Carmen mit ihrer Familie.

Die Türklinke wurde herunter gedrückt und herein kam Leonie...und...Samuel!

Mit zittrigen Fingern rieb ich mir die Augen. War er wirklich hier? War das kein Traum? Tränen stiegen mir in die Augen, obwohl ich dachte es wären keine mehr übrig.

"Hallo Emily.." Er trat einen Schritt auf mich zu, doch ich wandte mich von ihm ab und funkelte stattdessen Leonie böse an.

"Es tut mir leid, Emily. Aber er hat mich so lange gefragt was mit dir ist, bis ich es ihm sagen musste..Verdammt man! Er hat das recht es zu wissen! Und es ist deine Pflicht es ihm zu sagen! Ihr liebt euch! Du musst jetzt in der nächsten Zeit stark sein! Du kannst das nicht ohne ihn schaffen!"

Leonie brach vor meinen Augen heulend zusammen und mein Vater eilte ihr zu Hilfe. "Sollen wir euch...wollt ihr vielleicht ein bisschen alleine sein?"

Ich nickte zaghaft und mein Vater und Leonie verließen das Zimmer.

"Emily, ich wusste nicht...hätte ich gewusst was mit dir los ist...ich hätte doch niemals so etwas gesagt." Samuel sah überhaupt nicht gut aus, wie er so vor mir stand. Er war nicht mehr derselbe Junge. Seine Kleidung roch nach Schweiß und seine Haare waren fettig. Wie lange hatte er nicht mehr geduscht.

"Du weißt was ich habe?", fragte ich mit zittriger Stimme. 

"Jaa", flüsterte er.

"Dann sag es. Es macht die Sache nicht einfacher wenn man Probleme verschweigt."

"Gehirntumor. Du hast einen Gehirntumor."

"Ja, genau so ist es! Und wir beide wissen, wie schwer es um Patienten mit Gehirntumor steht. Ich hatte einen Monat, Samuel! Einen Monat und den habe ich genutzt so gut es ging. Ich habe gelernt wie es ist, jeden Moment zu genießen als wäre es mein letzter. Ich habe die Zeit mit meinem Dad und mit Leonie verbracht. Ich habe dich kennengelernt und mich in dich verliebt. Aber das war nicht richtig. Es tut mir so leid..."

"Emily, bitte..ich..ich liebe dich..wir schaffen das gemeinsam!"

"Nein, Samuel! Ich will das nicht hören! Alles was ich will ist, das du gehst. Ich werde mich verändern, ich werde nicht mehr der Mensch sein, in den du dich verliebt hast! Ich will nicht in deine Augen sehen und an all diese wunderschönen Momente erinnert werden, obwohl ich weiß, dass es nie wieder so sein wird!"

"Emily, wir schaffen das...bitte! Es besteht immer eine Chance!" Samuel kam auf mich zu und streckte seine Hand nach mir aus.

"Nein", schrie ich und schlug sie von mir. "20%, Samuel! Ich habe nur eine 20%ige Chance zu überleben. Wir wissen beide, dass das nicht viel ist. Und ich habe noch nie zu den Menschen gehört, die irgendwo gewonnen haben! Ich mache das hier doch nicht für mich! Ich mache das für meinen Dad, damit er sieht, dass ich ihn liebe. Aber ich mache das nicht für uns, denn das hat keine Zukunft. Also bitte, geh..."

"Ist...ist..das..dein..letztes..Wort?"

"Ja, das ist es. Leb wohl, Samuel. Danke für alles."

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