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Hey Emily, muss heute mal wieder in die Schule. Will dich heute aber noch sehen.
 Hast du Zeit? Wir könnten etwas zusammen unternehmen.
Gruß Samuel

Wow, hatte Samuel mich gerade wirklich zu einem Date eingeladen? Er offenbarte ja auf einmal ganz neue Seiten an sich. Aber dennoch konnte ich nicht zusagen. Die vergangene Nacht hatte ich mein Kopfkissen vollgeheult, weil das Leben einfach scheiße unfair ist. Nie war ich so glücklich, wie in der letzten Zeit mit Samuel.

Aber ob ich ihm jetzt schreiben sollte? Was sollte ich denn sagen?

"Hey Samuel..tut mir leid, aber ich kann mich nicht mehr mit dir treffen. Und zwar nie wieder, weil ich mich in dich verliebt habe und das echt total bescheuert ist?"Nein, das geht natürlich nicht.

Oder wie wäre es mit: "Hey Samuel..heute kann ich leider nicht, aber ich melde mich bei dir?" Wobei ganz klar wäre, dass ich mich nie wieder bei ihm melden würde. Er würde sich fragen, was los wäre und vielleicht wochenlang auf eine Nachricht von mir warten. Das war genauso bescheuert.

Also entschied ich mich dagegen, ihm überhaupt zu schreiben. Ich weiß, das war bestimmt nicht die beste Lösung, doch die gab es in so einer Situation auch nicht.

Damit ich meine Meinung nicht doch noch änderte, schaltete ich mein Handy aus.

"Hey dad, was machen wir heute?" fragte ich als in sein Arbeitszimmer eintrat.

Mein Vater hatte für meine restichen zwei Wochen einen Plan gemacht. Er hatte aufgeschrieben, welche Tage er mit mir verbringen wollte und welche Tage mir für meine Freunde -und damit vor allem mit Leonie- zur Verfügung standen. Heute war ein Christian-und-Emily-Tag.

"Zuerst einmal gehen wir Mittagessen und hinterher besuchen wir Tante Carmen."

Tanten Carmen war die Schwester meines Bruders und lebte mit ihrer Familie etwas weiter weg. Vier Stunden müssten wir also im Auto verbringen.

"Dad, ich komme gleich.." Schnell rannte ich in´s Badezimmer. Die Übelkeit kam wieder einmal völlig überraschend. Ich hatte seit Wochen nicht mehr brechen müssen.

"Emily, was ist los? Wenn es dir nicht gut geht, können wir heute auch zuhause bleiben."

"Nein...nein, dad. Ich schaffe das schon."

Ich wusste wie sehr er seine Schwester liebte. Aber wegen mir und wegen Tante Carmens Job konnte er sie selten besuchen.

Nachdem ich mich noch einmal übergeben hatte, putzte ich mir die Zähne um den widerlichen Geschmack loszuwerden.

Ich wusch mir das Gesicht um etwas frischer auszusehen und trat wieder hinaus in den Flur. Mein dad lehnte an der Wand und fuhr sich mit seinen Fingern durch die Haare.

"Emily...bitte. Bist du dir sicher, dass wir diese zwei Wochen nicht für etwas anderes nutzen sollten? Ich meine, wenn wir jetzt gehen, dann hast du so viel mehr Chancen..."

"Dad, ich will davon nichts mehr hören. Zwei Wochen, die nur uns gehören! Das hast du mir versprochen!"Ich trat auf ihn zu um ihn in die Arme zu nehmen.

"Emily, ich liebe dich. Du bist mein einziges Kind. Ich will doch nur, dass es dir gut geht."

"Dad, mir geht es gut, weil ich dich habe. Du warst immer für mich da und hast mich nie im Stich gelassen. Wir werden auch das nächste Kapitel gemeinsam durchstehen. Egal wie es enden wird, wir sind zusammen und das ist was zählt."
Wir umarmten uns und weinten gemeinsam darüber, wie ungerecht die Welt sein konnte.

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