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Vielleicht hatte Karolina vorhin recht gehabt. Ich war dabei mich in diese süße kleine Emily zu verlieben. Doch es war klar, dass sie mir nicht geben konnte, was ich brauchte und ich ihr nicht geben konnte, was sie wollte. Meine Welt war plötzlich ein einziges Chaos und ich brauchte dringend etwas um mich abzulenken. Blümchensex mit Emily kam heute nicht in Frage, sie machte etwas mit dieser Emily. Karolina war vorhin völlig durchgevögelt nach Hause gegangen. Ein Grinsen zog sich über meine Lippen. Das war einfach das, worauf ich stand! Tatjana würde bestimmt sofort antanzen, wenn ich ihr anrufen würde, doch ausnahmsweise reichte es mir für heute.
Bei meinen Jungs allerdings hatte ich mich lange nicht mehr gemeldet. Außer in der Schule sahen wir uns kaum noch. Ich kramte also meine Handy aus der Hosentasche und wählte die Nummer meines besten Freundes.

"Ach nee", begrüßte er mich, "bist du von den Toten auferstanden?"

Wie ich solche Männergespräche liebte. "Ausnahmsweise ja, Tobias. Sag mal, heute ist Freitag. Lust auf eine Kneipentour?"

"Lass mich mal überlegen...ja, ich bin dabei. Sollen wir noch Simon und Jens fragen?"

"Klar man, erst dann ist unsere Crew vollständig."

"Alles klar, wir treffen uns im Garfields in einer halben Stunde. Schaffst du das?"

"Ich werde da sein", sagte ich und legte  auf.

Das Garfields war eine richtige Kneipe. Es wurden Fußballspiele übertragen und alle paar Wochen spielten Coverbands. So würde es auch heute sein.

Ich betrat mein Zimmer und kramte in meinem Schrank nach einer Jeans und einem roten Pullover. So ein Männerabend war wirklich mal wieder etwas schönes. Man konnte sich besaufen und musste auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen. Vor allem nicht auf Emily.

Pünktlich saß ich in der Kneipe und trank einen Schluck von meinem Bier, als mir jemand auf die Schulter schlug.

"Samuel, altes Haus. Alles klar?"

"Klar ist alles klar. Heey, Bernd", schrie ich dem Wirt zu, "noch drei weitere Bier für meine Jungs."

"Kommt sofort."

"Lasst uns eine Runde Tischkicker spielen, ja?" Ich war früher ein begnadeter Spieler, hatte mich aber lange nicht mehr an einen Tisch gewagt. Das unsere Crew, wie wir uns nannten, aus genau vier Jungs bestand, passte daher perfekt.

"Alles klar, kannst du haben."

Ich spielte mit Jens in einem Team gegen Tobias und Simon. Jens passte optisch überhaupt nicht zu uns. Jens, Tobias und ich gingen regelmäßig ins Fitnessstudio und der einizige Sport den unser Freund machte, war höchstwahrscheinlich Tischkicker. Das sah man auch seinem Bierbauch an, der sein ganzer Stolz  war. Aber das spielte für uns keine Rolle. Jens war immer für uns da und hatte wirklich ein wahnsinnig großes Herz. Wir kannten uns schon seit der Grundschule. Früher als er oft Stress mit seinen Eltern hatte, kam es mindestens einmal im Monat vor, dass er mit gepackten Taschen vor meiner Tür stand. Heute wohnt er mit seiner Freundin zusammen und es kommt nur noch alle zwei Monate vor. Bei dem Gedanken musste ich grinsen. Jens und Sarah, das war schon ein komisches Paar. Sie konnten nicht miteinander und nicht ohneeinander, doch wir wussten alle wo es enden würde. Und sie lebten glücklich und zufrieden, bis ans Ende ihrer Tage. Mit mindestens zwei Kindern, einem Haus und einem Hund.

"Hey man, pass doch auf, Samuel! Die haben gleich gewonnen!" Tatsächlich war ich so in meinen Gedanken versunken gewesen, dass Tobias und Simon 8:6 führten.

"Sorry, wir holen das noch auf", entschuldigte ich mich und so war es dann auch. Die anderen beiden hatten keine Chance mehr gegen uns. Wir gewannen und die nächste Runde ging auf die Verlierer.

Wir standen gerade an der  Theke und unterhielten uns, als mich jemand ganz sachte antippte. Hinter mir stand ein junges hübsches Ding, das Emily zum verwechseln ähnlich sah.

"Was kann ich für dich tun, schöne Frau?" Ich legte mein charmantestes Lächeln auf und brachte sie zum erröten.

"Ich..wollte..Ich wollte fragen, ob du vielleicht mit mir vor zur Band willst. Wir könnten tanzen."

Ich ließ meinen Blick zur Band schweifen, die gerade irgendeinen Kuschelsong spielte.

"Nee man, das kommt nich infrage. Unser Kumpel hier hat nämlich eine Freundin und die sieht das bestimmt gar nicht gern."

Ich warf Tobias einen bösen Blick zu.

"Was soll das?"

"Hey man, du  hast ne Freundin? Hast du ja gar nichts von erzählt. Glückwunsch, Junge", Simon klopfte mir anerkennend auf die Schulter.

"Emily ist nur.."

"Emily ist ein super Mädschen also versaus dir nicht. Heute ist Männerabend, das heißt du gehörst nur uns. Tut mir leid, Kleine."

"Oh..okay."

Obwohl ich eigentlich sauer auf Tobias sein müsste, warf ich dem Mädchen einen entschudligendes Lächeln zu. Vielleicht hatte mein Kumpel ja recht.

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