Ich rannte,so schnell wie mich meine Beine trugen. Nur weg von hier! Das Adrenalin rauschte in meinen Adern wie noch nie zuvor! Mein Atem ging keuchend und meine Füße waren rot und schmutzig. Äste schlugen mir immer wieder ins Gesicht und hinterließen Kratzer doch ich konnte darauf keine Rücksicht nehmen, und rannte weiter.
Ich rannte so lange , bis mein Zeitgefühl sich endgültig verabschiedete und es dämmerte. Ich lief langsamer und kam dann ganz zum stehen. Ich stützte meine Hände auf den Oberschenkeln ab und wartete bis ich wieder einigermaßen normal atmete. Als ich dann so weit war , dass ich nicht mehr befürchten musste , dass ich hier und jetzt an Atemnot sterben würde ,sah ich mich erstmals um.Ich befand mich am Fuß einiger riesigen Eiche , um mich herum nichts als idyllische Stille und die Bäume. Ich lehnte mich an die Eiche und ließ mich dann langsam nach unten sinken. Dort blieb ich eine Weile sitzen um mir zu überlegen , was ich jetzt machen sollte. Ich verdrängte die Gedanken an die letzten Stunden erfolgreich und ging meine Möglichkeiten durch.
Möglichkeit 1 : mich alleine durchschlagen , verstecken und in Angst leben
Möglichkeit 2 : zu Nate und bei ihm wohnen , vielleicht den Schulabschluss machen
Möglichkeit 3 : zu meinem großen Bruder Lucas und bei ihm wohnen
Ich entschied mich schnell für Möglichkeit 2 , da ich Nate echt vermisst hatte ,seit wir weggezogen waren , ich nicht der Typ war der sich verkriecht und ich meinen Bruder nicht in Gefahr bringen wollte. Bei Nate wäre ich auch nicht sicher , doch zu Lukas könnte man meine Spur zu leicht zurückverfolgen.
Nachdem ich mich entschieden hatte , lief ich weiter bis zur Tankstelle am Waldrand. Als die Tankstelle nach ein paar Stunden endlich in Sichtweite war , sah ich erstmals an mir herunter. Ich trug noch meine grauen Schlafshorts, einen schwarzen , übergroßen Pulli auf dem >>Paris<< stand. Ich war barfuß und komplett zerkratzt. Meine Haare waren zum Glück noch in einem sehr unordentlichen Dutt und meine Beine waren voller Blut ,genau wie meine Hände .
Scheiße ,aber das konnte ich nun nicht mehr ändern. Ich betrat die Tankstelle und fragte den Kassierer ob ich mal telefonieren dürfte . Ich ignorierte den geschockten und neugierigen Blick. Ich wählte Leon's Nummer , die ich mir glücklicherweise eingeprägt hatte. Es tutete , dann hob er ab. Ich hörte seine verschlafene Stimme , die unfreundlich fragte >> Wer ist da und warum zur Hölle werde ich um 6 Uhr Morgens geweckt ?! << Ich holte scharf Luft und sagte >> Hier ist Blair . Sie haben uns gefunden, ich bin an der Tankstelle. Wie schnell kannst du hier sein Leon ?<< Es blieb eine Weile still bis er sagte >>Fuck. Ich bin in 20 Minuten da.<< Darauf erwiderte ich noch ein >> Okay, bis gleich<<.
Dann legte ich auf und gab dem Kassieren an der Tankstelle das Telefon wieder. Sein Blick viel auf meine Hände und seine Augen weiteten sich. Ich sah ebenfalls auf meine Hände , die mit vertrocknetem Blut bedeckt waren. Er holte tief Luft und fragte mit zitternder Stimme >> Ist alles in Ordnung mit ihnen ?! Brauchen sie einen Krankenwagen ?<<
Ich erwiderte >> Nein danke. Ich werde gleich abgeholt und warte draußen. Vielen Dank ,dass ich telefonieren durfte.<< Dann drehte ich mich um und verließ die Tankstelle.

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