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Friedrich Hebbel Herodes und Mariamne Eine Tragödie in fünf Akten
Personen: König Herodes Mariamne, seine Gemahlin Alexandra, ihre Mutter Salome, Schwester des Königs Soemus, Statthalter von Galiläa Joseph, Vizekönig in Abwesenheit von Herodes Sameas, ein Pharisäer Titus, ein römischer Hauptmann Joab, ein Bote Judas, ein jüdischer Hauptmann Artaxerxes, ein Diener Moses und Jehu desgleichen, sowie noch einige andere Diener Silo, ein Bürger Serubabel und sein Sohn Philo, Galiläer Ein römischer Bote Aaron und fünf andere Richter Drei Könige aus dem Morgenlande, von der christlichen Kirche später die heiligen zubenannt Ort: Jerusalem Zeit: Um Christi Geburt Erster Akt Burg Zion. Großer Audienzsaal. Joab. Sameas. Serubabel und sein Sohn. Titus. Judas und viele andere. Herodes tritt ein. Erste Szene Joab (tritt dem König entgegen). Ich bin zurück! Herodes. Dich spreche ich nachher! Das Wichtigste zuerst! Joab (zurücktretend, für sich). Das Wichtigste! Ich dächte doch, das wäre, zu erfahren, Ob unser Kopf noch fest sitzt oder nicht. Herodes (winkt Judas). Wie steht es mit dem Feuer? Judas. Mit dem Feuer? So weißt du schon, was ich zu melden kam? Herodes. Um Mitternacht brach's aus. Ich war der erste, Der es bemerkte und die Wache rief. Irr ich mich nicht, so weckte ich dich selbst! Judas. Es ist gelöscht! (Für sich.) So ist es also wahr, Daß er verkleidet durch die Gassen schleicht, Wenn andre schlafen! Hüten wir die Zunge, Sie könnte seinem Ohr einmal begegnen. Herodes. Ich sah, als alles schon in Flammen stand, Ein junges Weib durchs Fenster eines Hauses, Das ganz betäubt schien. Ward dies Weib gerettet? Judas. Sie wollte nicht! Herodes. Sie wollte nicht? Judas. Beim Himmel Sie wehrte sich, als man sie mit Gewalt Hinwegzubringen suchte, schlug mit Händen Und Füßen um sich, klammerte am Bett, Auf dem sie saß, sich fest und schrie, sie habe Mit eigner Hand sich eben töten wollen, Nun komme ihr ein Tod von ungefähr! Herodes. Sie wird verrückt gewesen sein! Judas. Wohl möglich, Daß sie's in ihrem Schmerz geworden ist! Ihr Mann war augenblicks zuvor gestorben, Der Leichnam lag noch warm in seinem Bett. Herodes (für sich). Das will ich Mariamnen doch erzählen Und ihr dabei ins Auge schaun! (Laut.) Dies Weib Hat wohl kein Kind gehabt! Wär' es der Fall, So sorg ich für das Kind! Sie selber aber Soll reich und Fürsten gleich bestattet werden, Sie war vielleicht der Frauen Königin! Sameas (tritt zu Herodes). Bestattet werden? Geht doch wohl nicht an! Zum wenigsten nicht in Jerusalem! Es steht geschrieben-- Herodes. Kenne ich dich nicht? Sameas. Du hast mich einmal kennenlernen können; Ich war die Zunge des Synedriums, Als es vor dir verstummte! Herodes. Sameas, Ich hoffe doch, du kennst mich auch! Du hast Den Jüngling hart verfolgt, du hättest gern Mit seinem Kopf dem Henker ein Geschenk Gemacht; der Mann und König hat vergessen, Was du getan: Du trägst den deinen noch! Sameas. Wenn ich ihn darum, weil du mir ihn ließest, Nicht brauchen soll, so nimm ihn hin; das wäre Ja schlimmer, als ihn eingebüßt zu haben. Herodes. Weswegen kamst du? Niemals sah ich dich Bis jetzt in diesen Mauern. Sameas. Deshalb eben Siehst du mich heut! Du hast vielleicht geglaubt, Daß ich dich fürchtete! Ich fürcht dich nicht! Auch jetzt nicht, wo dich mancher fürchten lernte, Der dich bisher, ich meine, bis zum Tode Des Aristobolus, nicht fürchtete! Und nun sich die Gelegenheit mir beut, Dir zu beweisen, daß ich dankbar bin, Nehm ich sie wahr und warne dich mit Ernst Vor einer Handlung, die der Herr verdammt. Die Knochen dieses Weibes sind verflucht, Sie hat die Rettung heidnisch abgewehrt, Das ist, als hätte sie sich selbst getötet, Und da-- Herodes. Ein andermal! (Zu Serubabel.) Aus Galiläa! Und Serubabel, der mich--Sei gegrüßt! Du selbst bist schuld, daß ich dich jetzt erst sah! Serubabel. Viel Ehre, König, daß du mich noch kennst! (Deutet auf seinen Mund.) Nun freilich, diese beiden großen Zähne, Die mich zum Vetter eines Ebers machen-- Herodes. Mein eigenes Gesicht vergeß ich eher, Als das des Mannes, der mir treu gedient! Du warst, als ich bei euch die Räuber jagte, Mein bester Spürhund. Was bringst du mir jetzt? Serubabel (winkt seinem Sohn). Nicht eben viel! Den Philo, meinen Sohn! Du brauchst Soldaten, ich, ich brauche keine, Und dieser ist ein Römer, aus Versehn Durch ein ebräisch Weib zur Welt gebracht! Herodes. Aus Galiläa kommt mir nichts, als Gutes! Ich lasse dich noch rufen.
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