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gutenberg

on Jan 08, 2007
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Der goldene Spiegel Erzählungen in einem Rahmen

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DER GOLDENE SPIEGEL ***

Produced by Markus Brenner and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net

Der goldene Spiegel

Erzählungen in einem Rahmen von Jakob Wassermann

Achte Auflage

S. Fischer * Verlag * Berlin 1912

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten. Copyright 1911 S. Fischer, Verlag, Berlin.

Kapitelfolge

Franziska und die Freunde 1 Was über den Spiegel beschlossen wurde 13 Die Pest im Vintschgau 25 Der Stationschef 47 Geronimo de Aguilar 63 Von Helden und ihrem Widerspiel 89 Der Tempel von Apamea 107 Die Gefangenen auf der Plassenburg 135 Paterner 176 Nimführ und Willenius 196 Herr de Landa und Peter Hannibal Meier 212 Begegnung 231 Die Geschichte des Grafen Erdmann Promnitz 242 Franziskas Erzählung 275 Aurora 291 Der Affe und der Spiegel 323

_Ich widme dieses Buch meiner Frau._

O thou whose face hath felt the Winter's wind Whose eye has seen the snow-clouds hung in mist, And the black elm-tops 'mong the freezing stars, To thee the Spring will be a harvest time. O thou, whose only book has been the light Of supreme darkness which thou feddest on Night after night when Phoebus was away, To thee the Spring shall be a triple morn, O fret not after knowledge, I have none, And yet my song comes native with the warmth. O fret not after knowledge, I have none And yet the evening listens. He who saddens At thought of idleness cannot be idle, And he's awake who thinks himself asleep. _Keats._

Franziska und die Freunde

Drei junge Leute von besonderer Art lernten auf einem Ball im Künstlerhaus ein siebzehnjähriges Mädchen kennen, das sehr liebreizend war, Franziska hieß, die Schauspielkunst studierte und das Leben liebte. Sie trug ihre Armut wie eine vorläufige Hülle, und die Daseinsstimmung, in der sie sich befand, wird am besten verglichen mit der morgendlichen Munterkeit eines kräftigen und entschlossenen Bergsteigers.

Was die jungen Männer betrifft, so waren es Söhne aus reichen und geehrten Familien, und sie standen in der Reihenfolge der Jahre zwischen dreiundzwanzig und achtundzwanzig, die der Freundschaft noch angemessen ist. Eine Aufzählung im Steckbriefstil mag die genauere Bekanntschaft mit ihnen vorbereiten. Rudolf Borsati war Arzt, mittelgroß von Figur, ziemlich fett, doch immerhin elegant in der Erscheinung, von Bart und Haar blond wie türkischer Tabak, von Gemütsart verträglich, schmiegsamen Geistes und in den Manieren von charaktervoller Liebenswürdigkeit. Die Klientel brachte ihm nur geringen Verdienst, er selbst war sein treuester Patient, denn er beobachtete mit aufmerksamer Hypochondrie die Entstehung und den Wechsel einer großen Zahl von Krankheiten in seinem eigenen Körper. Georg Vinzenz Lamberg, ein stattlicher, brünetter, passioniert aussehender Mensch, der im Gang und im Gehaben etwas Fürstliches hatte, eine rasche, aufsammelnde, entscheidende und entschiedene Selbstherrlichkeit, war Archäolog ohne Amt, Privatgelehrter ohne bestimmte Richtung, ein Sonderling mit leidenschaftlichen Neigungen, der sich zu den Dingen und den Kreaturen in ein Verhältnis voll Tyrannei und Abwehr begeben hatte. Am meisten auf das Äußere der Welt und das Tätige des Lebens gerichtet war Cajetan von Prechtl, deshalb hatte er auch Franziska zuerst für sich gewonnen. Er war angehender Diplomat, hatte Ehrgeiz, und in seinem altschmalen Gesicht saßen zwei dumpfglänzende Augen mit dem starken und weithinausschauenden Blick eines zielgewissen Schützen. Eine fantasievolle Welterfahrung war ihm eigen, die ebensogut auf einen Dichter wie auf einen künftigen Staatsmann schließen lassen konnte und durch eine seltsame Verschwisterung politischer und romantischer Elemente jedenfalls bemerkenswert war.

Ihm glückte es, dem Direktor eines der ersten Theater für Franziska Teilnahme einzuflößen. Ihr Debüt war ein Triumph. Die Poesie ihres Lächelns, ihrer Geberde, ihrer Haltung verlieh der mittelmäßigen Komödie einen Schein von Tiefsinn und Elan, und selbst diejenigen, die ihre Schönheit auf Kosten ihrer Begabung lobten, räumten ein, daß hier persönlicher Zauber wie Genie wirke. Borsati fand sein Gemüt bewegter, als er dem jüngeren Freund gestehen mochte, aber Cajetans wechselsüchtiges Herz hatte sich unlängst für eine andere entzündet, und nachdem sich die Beiden gegeneinander ausgesprochen, gelang es Borsati bald, Franziskas Gunst zu erwerben. Er erhob sie, indem er sie trug, und förderte sie, indem er ihr huldigte. Es war ein zartes Verhältnis und voll Kameraderie, doch konnte es den Lebensdurst
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