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Rcallahan2

on Apr 05, 2009
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Erzählungen von Heinrich von Kleist

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Die heilige Caecilie
oder
die Gewalt der Musik
(Eine Legende)


Um das Ende des sechzehnten Jahrhunderts, als die Bilderstuermerei in
den Niederlanden wuetete, trafen drei Brueder, junge in Wittenberg
studierende Leute, mit einem vierten, der in Antwerpen als Praedikant
angestellt war, in der Stadt Aachen zusammen. Sie wollten daselbst
eine Erbschaft erheben, die ihnen von Seiten eines alten, ihnen allen
unbekannten Oheims zugefallen war, und kehrten, weil niemand in dem
Ort war, an den sie sich haetten wenden koennen, in einem Gasthof ein.
Nach Verlauf einiger Tage, die sie damit zugebracht hatten, den
Praedikanten ueber die merkwuerdigen Auftritte, die in den Niederlanden
vorgefallen waren, anzuhoeren, traf es sich, dass von den Nonnen im
Kloster der heiligen Caecilie, das damals vor den Toren dieser Stadt
lag, der Fronleichnamstag festlich begangen werden sollte; dergestalt,
dass die vier Brueder, von Schwaermerei, Jugend und dem Beispiel der
Niederlaender erhitzt, beschlossen, auch der Stadt Aachen das
Schauspiel einer Bilderstuermerei zu geben. Der Praedikant, der
dergleichen Unternehmungen mehr als einmal schon geleitet hatte,
versammelte, am Abend zuvor, eine Anzahl junger, der neuen Lehre
ergebener Kaufmannssoehne und Studenten, welche, in dem Gasthofe, bei
Wein und Speisen, unter Verwuenschungen des Papsttums, die Nacht
zubrachten; und, da der Tag ueber die Zinnen der Stadt aufgegangen,
versahen sie sich mit Aexten und Zerstoerungswerkzeugen aller Art, um
ihr ausgelassenes Geschaeft zu beginnen. Sie verabredeten frohlockend
ein Zeichen, auf welches sie damit anfangen wollten, die
Fensterscheiben, mit biblischen Geschichten bemalt, einzuwerfen; und
eines grossen Anhangs, den sie unter dem Volk finden wuerden, gewiss,
verfuegten sie sich, entschlossen keinen Stein auf dem andern zu
lassen, in der Stunde, da die Glocken laeuteten, in den Dom. Die
Aebtissin, die, schon beim Anbruch des Tages, durch einen Freund von
der Gefahr, in welcher das Kloster schwebte, benachrichtigt worden
war, schickte vergebens, zu wiederholten Malen, zu dem kaiserlichen
Offizier, der in der Stadt kommandierte, und bat sich, zum Schutz des
Klosters, eine Wache aus; der Offizier, der selbst ein Feind des
Papsttums, und als solcher, wenigstens unter der Hand, der neuen
Lehre zugetan war, wusste ihr unter dem staatsklugen Vorgeben, dass sie
Geister saehe, und fuer ihr Kloster auch nicht der Schatten einer
Gefahr vorhanden sei, die Wache zu verweigern. Inzwischen brach die
Stunde an, da die Feierlichkeiten beginnen sollten, und die Nonnen
schickten sich, unter Angst und Beten, und jammervoller Erwartung der
Dinge, die da kommen sollten, zur Messe an. Niemand beschuetzte sie,
als ein alter, siebenzigjaehriger Klostervogt, der sich, mit einigen
bewaffneten Trossknechten, am Eingang der Kirche aufstellte. In den
Nonnenkloestern fuehren, auf das Spiel jeder Art der Instrumente geuebt,
die Nonnen, wie bekannt, ihre Musiken selber auf; oft mit einer
Praezision, einem Verstand und einer Empfindung, die man in maennlichen
Orchestern (vielleicht wegen der weiblichen Geschlechtsart dieser
geheimnisvollen Kunst) vermisst. Nun fuegte es sich, zur Verdoppelung
der Bedraengnis, dass die Kapellmeisterin, Schwester Antonia, welche
die Musik auf dem Orchester zu dirigieren pflegte, wenige Tage zuvor,
an einem Nervenfieber heftig erkrankte; dergestalt, dass abgesehen von
den vier gotteslaesterlichen Bruedern, die man bereits, in Maenteln
gehuellt, unter den Pfeilern der Kirche erblickte, das Kloster auch,
wegen Auffuehrung eines schicklichen Musikwerks, in der lebhaftesten
Verlegenheit war. Die Aebtissin, die am Abend des vorhergehenden
Tages befohlen hatte, dass eine uralte von einem unbekannten Meister
herruehrende, italienische Messe aufgefuehrt werden moechte, mit welcher
die Kapelle mehrmals schon, einer besondern Heiligkeit und
Herrlichkeit wegen, mit welcher sie gedichtet war, die groessesten
Wirkungen hervorgebracht hatte, schickte, mehr als jemals auf ihren
Willen beharrend, noch einmal zur Schwester Antonia herab, um zu
hoeren, wie sich dieselbe befinde; die Nonne aber, die dies Geschaeft
uebernahm, kam mit der Nachricht zurueck, dass die Schwester in gaenzlich
bewusstlosem Zustande daniederliege, und dass an ihre Direktionsfuehrung,
bei der vorhabenden Musik, auf keine Weise zu denken sei.
Inzwischen waren in dem Dom, in welchem sich nach und nach mehr denn
hundert, mit Beilen und Brechstangen versehene Frevler, von allen
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