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Rcallahan2

on Apr 05, 2009
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Prinz Friedrich von Homburg - Heinrich von Kleist

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Prinz Friedrich von Homburg

Heinrich von Kleist

Ein Schauspiel


_Ihrer Koeniglichen Hoheit_
_der Prinzessin_
_Amalie Marie Anne_
_Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Preussen_
_Bruders Sr. Majestaet des Koenigs_
_geborne Prinzessin von Hessen-Homburg._

Gen Himmel schauend greift, im Volksgedraenge,
Der Barde fromm in seine Saiten ein.
Jetzt troesten, jetzt verletzen seine Klaenge,
Und solcher Antwort kann er sich nicht freun.
Doch eine denkt er in dem Kreis der Menge,
Der die Gefuehle seiner Brust sich weihn:
Sie haelt den Preis in Haenden, der ihm falle,
Und kroent ihn die, so kroenen sie ihn alle.




Personen:

Friedrich Wilhelm, Kurfuerst von Brandenburg

Die Kurfuerstin

Prinzessin Natalie von Oranien, seine Nichte,
Chef eines Dragonerregiments

Feldmarschall Doerfling

Prinz Friedrich Arthur von Homburg, General der Reuterei

Obrist Kottwitz, vom Regiment der Prinzessin von Oranien

Hennings, Oberst der Infanterie

Graf Truchss, Oberst der Infanterie

Graf Hohenzollern, von der Suite des Kurfuersten

Rittmeister von der Golz

Graf Georg von Sparren, Rittmeister

Stranz, Rittmeister

Siegfried von Moerner, Rittmeister

Graf Reuss, Rittmeister

Ein Wachtmeister

Offiziere, Korporale und Reuter. Hofkavaliere. Hofdamen.
Pagen. Heiducken. Bedienten. Volk jeden Alters und
Geschlechts.




Erster Akt



Szene. Fehrbellin. Ein Garten im altfranzoesischen Stil.
Im Hintergrunde ein Schloss, von welchem eine Rampe
herabfuehrt.--Es ist Nacht.

Erster Auftritt

Der Prinz von Homburg sitzt mit blossem Haupt und offner
Brust, halb wachend halb schlafend, unter einer Eiche und
windet sich einen Kranz.--Der Kurfuerst, seine Gemahlin,
Prinzessin Natalie, der Graf von Hohenzollern, Rittmeister
Golz und andere treten heimlich aus dem Schloss, und schauen,
vom Gelaender der Rampe, auf ihn nieder.--Pagen mit Fackeln.


Der Graf von Hohenzollern.
Der Prinz von Homburg, unser tapfrer Vetter,
Der an der Reuter Spitze, seit drei Tagen
Den fluechtgen Schweden munter nachgesetzt,
Und sich erst heute wieder atemlos,
Im Hauptquartier zu Fehrbellin gezeigt:
Befehl ward ihm von dir, hier laenger nicht,
Als nur drei Fuettrungsstunden zu verweilen,
Und gleich dem Wrangel wiederum entgegen,
Der sich am Rhyn versucht hat einzuschanzen,
Bis an die Hackelberge vorzuruecken?

Der Kurfuerst.
So ists!

Hohenzollern. Die Chefs nun saemtlicher Schwadronen,
Zum Aufbruch aus der Stadt, dem Plan gemaess,
Glock zehn zu Nacht, gemessen instruiert,
Wirft er erschoepft, gleich einem Jagdhund lechzend,
Sich auf das Stroh um fuer die Schlacht, die uns
Bevor beim Strahl des Morgens steht, ein wenig
Die Glieder, die erschoepften, auszuruhn.

Der Kurfuerst.
So hoert ich!--Nun?

Hohenzollern. Da nun die Stunde schlaegt,
Und aufgesessen schon die ganze Reuterei
Den Acker vor dem Tor zerstampft,
Fehlt--wer? der Prinz von Homburg noch, ihr Fuehrer.
Mit Fackeln wird und Lichtern und Laternen
Der Held gesucht--und aufgefunden, wo?

(Er nimmt einem Pagen die Fackel aus der Hand.)

Als ein Nachtwandler, schau, auf jener Bank,
Wohin, im Schlaf, wie du nie glauben wolltest,
Der Mondschein ihn gelockt, beschaeftiget,
Sich traeumend, seiner eignen Nachwelt gleich,
Den praechtgen Kranz des Ruhmes einzuwinden.

Der Kurfuerst.
Was!

Hohenzollern. In der Tat! Schau hier herab: da sitzt er!

(Er leuchtet von der Rampe auf ihn nieder.)

Der Kurfuerst.
Im Schlaf versenkt? Unmoeglich!

Hohenzollern. Fest im Schlafe!
Ruf ihn bei Namen auf, so faellt er nieder.

(Pause.)

Die Kurfuerstin.
Der junge Mann ist krank, so wahr ich lebe.

Prinzessin Natalie.
Er braucht des Arztes--!

Die Kurfuerstin. Man sollt ihm helfen, duenkt mich,
Nicht den Moment verbringen, sein zu spotten!

Hohenzollern (indem er die Fackel wieder weggibt).
Er ist gesund, ihr mitleidsvollen Frauen,
Bei Gott, ich bins nicht mehr! Der Schwede morgen
Wenn wir im Feld ihn treffen, wirds empfinden!
Es ist nichts weiter, glaubt mir auf mein Wort,
Als eine blosse Unart seines Geistes.

Der Kurfuerst.
Fuerwahr! Ein Maerchen glaubt ichs!--Folgt mir Freunde,
Und lasst uns naeher ihn einmal betrachten.

(Sie steigen von der Rampe herab.)

Ein Hofkavalier (zu den Pagen).
Zurueck! die Fackeln!

Hohenzollern. Lasst sie, lasst sie, Freunde!
Der ganze Flecken koennt in Feuer aufgehn,
Dass sein Gemuet davon nicht mehr empfaende,
Als der Demant, den er am Finger traegt.
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