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Rcallahan2

on Apr 05, 2009
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Deutschland: Ein Wintermärchen - Heinrich Heine

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Heinrich Heine

Deutschland. Ein Wintermaerchen




VORWORT

Das nachstehende Gedicht schrieb ich im diesjaehrigen Monat Januar
zu Paris, und die freie Luft des Ortes wehete in manche Strophe weit
schaerfer hinein, als mir eigentlich lieb war. Ich unterliess nicht,
schon gleich zu mildern und auszuscheiden, was mit dem deutschen Klima
unvertraeglich schien. Nichtsdestoweniger, als ich das Manuskript im
Monat Maerz an meinen Verleger nach Hamburg schickte, wurden mir noch
mannigfache Bedenklichkeiten in Erwaegung gestellt. Ich musste mich
dem fatalen Geschaefte des Umarbeitens nochmals unterziehen, und
da mag es wohl geschehen sein, dass die ernsten Toene mehr als
noetig abgedaempft oder von den Schellen des Humors gar zu heiter
ueberklingelt wurden. Einigen nackten Gedanken habe ich im hastigen
Unmut ihre Feigenblaetter wieder abgerissen, und zimperlich sproede
Ohren habe ich vielleicht verletzt. Es ist mir leid, aber ich troeste
mich mit dem Bewusstsein, dass groessere Autoren sich aehnliche
Vergehen zuschulden kommen liessen. Des Aristophanes will ich zu
solcher Beschoenigung gar nicht erwaehnen, denn der war ein blinder
Heide, und sein Publikum zu Athen hatte zwar eine klassische Erziehung
genossen, wusste aber wenig von Sittlichkeit. Auf Cervantes und
Moliere koennte ich mich schon viel besser berufen; und ersterer
schrieb fuer den hohen Adel beider Kastilien, letzterer fuer den
grossen Koenig und den grossen Hof von Versailles! Ach, ich vergesse,
dass wir in einer sehr buergerlichen Zeit leben, und ich sehe leider
voraus, dass viele Toechter gebildeter Staende an der Spree, wo nicht
gar an der Alster, ueber mein armes Gedicht die mehr oder minder
gebogenen Naeschen ruempfen werden! Was ich aber mit noch groesserem
Leidwesen voraussehe, das ist das Zetern jener Pharisaeer der
Nationalitaet, die jetzt mit den Antipathien der Regierungen Hand in
Hand gehen, auch die volle Liebe und Hochachtung der Zensur geniessen
und in der Tagespresse den Ton angeben koennen, wo es gilt, jene
Gegner zu befehden, die auch zugleich die Gegner ihrer allerhoechsten
Herrschaften sind. Wir sind im Herzen gewappnet gegen das Missfallen
dieser heldenmuetigen Lakaien in schwarzrotgoldner Livree. Ich hoere
schon ihre Bierstimmen: "Du laesterst sogar unsere Farben, Veraechter
des Vaterlands, Freund der Franzosen, denen du den freien Rhein
abtreten willst!" Beruhigt euch. Ich werde eure Farben achten und
ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine muessige oder
knechtische Spielerei sind. Pflanzt die schwarzrotgoldne Fahne auf
die Hoehe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien
Menschtums, und ich will mein bestes Herzblut fuer sie hingeben.
Beruhigt euch, ich liebe das Vaterland ebensosehr wie ihr. Wegen
dieser Liebe habe ich dreizehn Lebensjahre im Exile verlebt, und
wegen ebendieser Liebe kehre ich wieder zurueck ins Exil, vielleicht
fuer immer, jedenfalls ohne zu flennen oder eine schiefmaeulige
Duldergrimasse zu schneiden. Ich bin der Freund der Franzosen, wie
ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernuenftig und gut sind,
und weil ich selber nicht so dumm oder so schlecht bin, als dass ich
wuenschen sollte, dass meine Deutschen und die Franzosen, die beiden
auserwaehlten Voelker der Humanitaet, sich die Haelse braechen zum
Besten von England und Russland und zur Schadenfreude aller Junker und
Pfaffen dieses Erdballs. Seid ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr
den Franzosen abtreten, schon aus dem ganz einfachen Grunde: weil
mir der Rhein gehoert. Ja, mir gehoert er, durch unveraeusserliches
Geburtsrecht, ich bin des freien Rheins noch weit freierer Sohn, an
seinem Ufer stand meine Wiege, und ich sehe gar nicht ein, warum der
Rhein irgendeinem andern gehoeren soll als den Landeskindern. Elsass
und Lothringen kann ich freilich dem deutschen Reiche nicht so leicht
einverleiben, wie ihr es tut, denn die Leute in jenen Landen haengen
fest an Frankreich wegen der Rechte, die sie durch die franzoesische
Staatsumwaelzung gewonnen, wegen jener Gleichheitsgesetze und freien
Institutionen, die dem buergerlichen Gemuete sehr angenehm sind, aber
dem Magen der grossen Menge dennoch vieles zu wuenschen uebriglassen.
Indessen, die Elsasser und Lothringer werden sich wieder an
Deutschland anschliessen, wenn wir das vollenden, was die Franzosen
begonnen haben, wenn wir diese ueberfluegeln in der Tat, wie wir es
schon getan im Gedanken, wenn wir uns bis zu den letzten Folgerungen
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